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Stranger Things: The School of Horror

Erst seit 10 Tagen auf Netflix und schon auf Platz 1 der beliebtesten TV-Serien bei IMDB: Die erste Staffel von „Stranger Things„.

Ein paar Tage nach Release habe ich die Familie zur ersten Session zusammenzutrommelt. Kurzer FSK-Check: 12 Jahre. Perfekt! Welcome to the Eighties School of Horror!

„Stranger Things“ ist eine liebevolle und rasante Fahrt durch die Achtziger, wie man sie als jemand wahrgenommen hat, der mit dreizehn Jahren die Bücher von Stephen King gerne gelesen hat und jeden Film anschauen musste, bei dem auf dem Plakat irgendwo der Name Steven Spielberg geschrieben stand.

Es gibt hier unzählige Anspielungen auf Kinofilme, Musik, Serien und Spiele, die zu Beginn der Achtziger den Ton angaben, wenn es um Mystery, Fantasy und Horror ging. In jeder Folge finde ich im Minutentakt Ostereier, auf die ich ähnlich reagiere wie meine Töchter, wenn ein außergewöhnliches Pokémon in unserer Straße auftaucht.

Viel mehr möchte ich nicht verraten, aber gerne ein paar Gründe nennen, warum „Stranger Things“ so ein rasanter Start gelungen ist:

  1. Winona Ryder: Sie ist das emotionale Zentrum und die Triebfeder der Geschichte. Jeder, den sie an den Schultern packt und ihre Sorgen und ihre Hoffnung aus den großen Augen abfeuert, dem kommen Zweifel, ob die durchgeknallte Kettenraucherin vielleicht doch recht hat mir ihren irren Theorien. In den letzten Jahren hat man nicht allzu viel von ihr mitbekommen, die Serie könnte ihr wieder große Rollen einbringen.
  2. Der beste Kids-Cast seit „Stand By Me“ und „Die Goonies“: Und auch dieser Vergleich ist kein Zufall, sondern volle Absicht der Duffer Brothers, die „Stranger Things“ aus ihrer Liebe für die Horror-Filme der 70er und 80er Jahre heraus entwickelt haben. Jeder der Kids für sich hat genug Präsenz, um den Bildschirm zu füllen, alle zusammen sind das reine, kreative Chaos, sie sprühen über vor Ideen, Kampfgeist und Humor.
  3. Der Plot: Trotz der vielen Anspielungen auf andere ikonische Filme, „Stranger Things“ ist etwas Eigenes. Hätte Stephen King die Geschichte geschrieben, wäre das seine beste Adaption. Schön auch, dass manche Folgen ihre Cliffhanger nicht am Ende haben, sondern gleich nach den ersten Minuten, bevor die Titelmusik einsetzt.
  4. Die Musik: Ganz viel daran erinnert an die Filmmusik von John Carpenter, dazu eine Prise Commodore64-Ästhetik sowie Musik aus der Zeit von The Clash, Joy Division, Echo and the Bunnymen, Peter Gabriel, uvm. Es gibt bisher noch kein offizielles Soundtrack-Album, das ikonische Theme und die Instrumentalmusik kommen von S U R V I V E.
  5. Classic Horror is back! Ganz schnell wird klar: „Stranger Things“ ist kein Psycho-Thriller, kein unappetitliches Gemetzel, aber auch kein romantisches Mystery-Drama, sondern arbeitet mit verspieltem übernatürlichem Horror und einem ordentlichen Monster. So etwas kommt mir heute manchmal etwas zu kurz. Aber mit Serien wie dieser und mit Outcast und The Strain wird es langsam wieder interessant.

Angeblich ist die zweite Staffel bereits bestellt. Der junge Cast erlaubt keine langen Wartezeiten, wenn die Handlung gleich an die erste Staffel anknüpfen soll. Andererseits, es wäre schade, wenn man jetzt anfängt zu schlampen. „Stranger Things“ ist auf vielen unterschiedlichen Ebenen so extrem gut durchdacht, dass man nach den acht Stunden Binge-Watching nicht weiß, was man sich danach noch anschauen soll. The Duffer Brothers haben damit ein ziemliche Marke gesetzt.

Wer wissen möchte, ob es sich lohnt, dafür ein Netflix-Abo zu starten, hier gibt es einen Teaser in die ersten acht Minuten der ersten Folge.

 

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Ausgelesen: „End of Watch“ von Stephen King

Diesen dritten Teil der sogenannten „Bill-Hodges-Trilogy“ habe ich vorab bestellt und pünktlich zum Erscheinungstermin geliefert bekommen. Es gibt einige Autoren, bei denen eine Art Abo für mich durchaus Sinn machen würde. Einen neuen Roman von Juli Zeh, Jonathan Franzen, Heinz Strunk oder eben Stephen King, den muss ich nicht in der Buchhandlung durchblättern, den Klappentext lesen und überlegen, ob ich ihn kaufen möchte. Nein, liebe Verlage, Bücher von diesen Leuten könnt ihr mir ungefragt am Erscheinungstermin direkt nach Hause liefern. Gar nicht mal als Rezensionsexemplar, ich zahle auch gerne. Leider bietet bisher noch niemand so ein Autoren-Abo an, schade. Wie gesagt, ich wäre dabei.

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Veröffentlicht: „Das Katzenschiff“

Ich lebe schon lange vom Schreiben. Ich bin freier Journalist und PR-Berater (zugegeben, manchmal ein ungleiches Paar) und schreibe Reportagen und Beiträge für Magazine oder verfasse Pressemitteilungen, Blogbeiträge und Fachartikel für Unternehmen. Ich mache das mit unterschiedlichen Schwerpunkten bereits seit mehr als 25 Jahren und es ist eine Arbeit, die mir Spaß macht und mir meistens leicht von der Hand geht.

Also habe ich zuletzt noch ein Scheit oben drauf gelegt und schreibe jetzt Kurzgeschichten, die ich regelmäßig zu Schreibwettbewerben einreiche. Gleich beim zweiten Mal hat ein kleiner, wilder Verlag aus Verl bei Gütersloh eine Geschichte von mir veröffentlicht: Der Chiliverlag hatte sogar auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig einen Stand, den ich selbstverständlich besucht habe.

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„The Fall of the House of Usher“ – Zwei Kurzfilme aus zwei Jahrhunderten

Vor ein paar Jahren erschein bei GKIDS eine Sammlung von insgesamt fünf Animationsfilmen zu Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. Ich habe nicht herausfinden können, ob und wo man die Filme beziehen kann, aber es gibt erstens einen Trailer dazu (unten) und zweitens eine der Geschichten, die von allen am besten aussieht, auf YouTube in voller Länge: „The Fall of the House of Usher“, gesprochen vom unvergleichlichen Christopher Lee.

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Ausgelesen: „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk

Das erste Buch, das mir richtig aufs Gemüt schlug, war Aufzeichnungen eines Dirty Old Man
von Charles Bukowski. Da war ich achtzehn Jahre alt. Solche Sätze hatte ich vorher noch nie gelesen. Dass Menschen ein solches Leben führen können, unmöglich! Als ich mich erholt hatte, sog ich seine Geschichten in mich auf als wäre ich am Verdursten. Bukowski hat mir gezeigt, dass man mit jedem Menschen mitfühlen soll, egal welches Schicksal dahinter steckt. Er war der dreckige Gegenpol zum kleinbürgerlichen “Selbst dran Schuld”. Es war schön, zu wissen, dass es so jemanden gab, der dazu auch noch Erfolg mit seinen Geschichten hatte. Nur wenige Autoren und Bücher haben mich danach an die Kotzgrenze gebracht: Bret Easton Ellis mit “American Psycho”, ohne Frage. Zuletzt Cormac McCarthys “The Road”. Und jetzt eben “Der goldene Handschuh” von Heinz Strunk. Da steht er in einer schönen Reihe, der Heinzer. Das hat er sich verdient.

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Figure ist das Instagram für Musiker

Seit ca. 1989 benutze ich einen Computer, um Musik zu machen. C64, Amiga, Atari ST, Windows-PC, Macbook. Das ist meine bisherige Timeline. Wobei die Windows-Phase ganz eindeutig die qualvollste war. Da klappte jahrelang weder zuverlässig der MIDI-Part noch konnte man flüssig Audiodateien bearbeiten und hintereinander hängen. Am schönsten aber war es bisher mit dem ASQ-10 von Akai, dem Vorläufer der legendären MPC, die beim HipHop-Sound der 90er den Takt angab und immer noch von vielen Künstlern eingesetzt wird.

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Das bis jetzt letzte Glied in der Kette meiner Produktionsmittel ist das iPad/iPhone. Da hatte ich in den letzten Jahren immer wieder mal die ein oder andere Musik-App angetestet, aber irgendwie der Sache nicht getraut. Nicht unbedingt wegen der Performance der mobilen Geräte als eher wegen dem App-Prinzip, das ich als irgendwie zu hermetisch für einen tauglichen Austausch zwischen den Tools empfand.

Am letzten Wochenende habe ich mich dann während der Digital-Kunstmesse UNPAINTED in München mit Gary Danner vom AV-Performance-Duo Station Rose unterhalten und mir sein Setup näher angeschaut. Mit ihren außerirdischen Elektro-Dub-Performances während der vier Tage in der Kesselhalle hat er mich dann extrem neugierig gemacht, wie man das iPad als vollwertiges Instrument in den Gerätepark einbaut.

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Buch-Review: „Never Let Me Go“ von Kazuo Ishiguro

Never Let Me Go von Kazuo Ishiguro
Solche Bücher gewinnen Preise, aber nicht leicht die Herzen der Leser. Der Autor von „Was vom Tage übrig blieb“ (verfilmt mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) hat mit „Never Let Me Go“ angeblich den wichtigsten Roman der letzten zehn Jahre geschrieben. Ohne Zweifel, die Grundidee, die man nicht verraten darf, weil sonst der Effekt weg ist, hat Charme. Aber wie es so oft ist bei Geschichten, die um einen Effekt herum gebaut sind, so wie die Filme vom M. Night Shyamalan, die Wirkungszeit kann recht kurz sein.

Weshalb oft die Auflösung erst gegen Ende kommt und man mit einer mittelmäßigen Story zu lange hingehalten wird. Nun ist Kazuo Ishiguro ein Autor, der nicht nur gute Ideen hat, sondern auch sein Handwerk beherrscht. “Never Let Me Go” ist also durchaus ein Buch dass man gerne bis zum Ende liest. Doch sicher nicht wegen seiner dystopischen Elemente, auch nicht wegen seiner Auflösung, die man schon in der Mitte des Buches von Weitem winken sieht. Aber wegen dem anrührenden Subtext. Einer, dem sich keiner entziehen vermag, der nur ein Quentchen zur Selbstreflexion fähig ist. Schaut man von außen drauf oder gehört man dazu? Und wie wichtig ist unser Standort für unsere komplette Entwicklung, für den Gang unseres Lebens?

Seine Figuren, die Ishiguro uns über das ganze Buch hinweg in unterschiedlichen Lebenabschnitten zeigt, führt er behutsam an den Rand der Klippe, von der aus man ins schäumende Leben hinabblickt, und wieder zurück in die Straßen, in kleinstädtische Gassen, in denen wir, wenn wir genau hinsehen, unsere Doppelgänger finden. Ishiguro gräbt ziemlich tief in unserer Existenz und fördert Bilder und Stimmungen ans Tageslicht, die man sich einprägt.

Buch-Review: „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald

The Great Gatsby war der letzte Roman von F. Scott Fitzgerald, bevor der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 den Roaring Twenties ein Ende setzte. So gesehen spielt die Geschichte schon fast im Mittelalter. Der gerade gefochtene Krieg, aus dem Gatsby mit vielerleih Orden behängt, zurückkehrt, um sich auf die Suche nach einer Frau zu machen, von der er im Schützengraben liegend dachte, dass er sie liebe, wurde noch mit Bajonetten auf den Gewehren geführt. Die Dekandenz der Zeit, mit der Fitzgerald beruflich wie privat in Berührung kam, fasst er hier in schimmernden Bildern zusammen, für die wohl wenige Autoren neben ihm eine so reiche Sprache gefunden haben.

Genau wie der Soziopath James Bond, so wird auch die Figur Jay Gatsby heute in der öffentlichen Wahrnehmung auf die rauschenden Feste, den Champagner, die maßgeschneiderten Hemden und Anzüge, über die eine Frau wie seine Geliebte Daisy Tränen der Begeisterung vergießen kann, und auf die Posen reduziert. Der einsame Bachelor steht spät abends auf dem gepflegten Grün vor seinem riesigen Anwesen und schaut auf ein Licht auf der anderen Seite der Bucht, wo die Frau seiner Träume von ihrem Ehemann hinter hohen Mauern gefangen gehalten wird. Und Gatsby lockt beide an, indem er alle Lichter in seinem noch größeren Haus entzündet, was ihm neben unzähligen Motten und Flapper auch irgendwann seine Daisy über die Schwelle trägt.

Fitzgerald nimmt sich seine Generation hier richtig vor. Am Morgen der Party bleiben sie alle müde auf den Stufen vor dem Palast liegen, tränen- oder blutverschmiert. “They were careless people, … they smashed up things and creatures and then retreated back into their money or their vast carelessness or whatever it was that kept them together, and let other people clean up the mess they had made.”

Buch-Review: „Junge rettet Freund aus Teich“ von Heinz Strunk

Junge rettet Freund aus TeichJunge rettet Freund aus Teich by Heinz Strunk
My rating: 4 of 5 stars

Heinz Strunk gehört zu den Autoren, die ganz besondere Bücher schreiben. Ob es ganz besonders gute sind, sollen andere entscheiden. Wer durchgängig in einem Roman „als Einzigster“ schreiben darf, der hat von seinem Verlag einen gewissen Grad an literarischer Narrenfreiheit erkaufen können. Schon bereits das ist harte Arbeit, vielleicht noch härter als das Schreiben selbst.

Bevor Heinz Strunk auftauchte, gab es das Kind, den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen Mathias Halfpape. In diesem Buch reisen wir mit ihm zurück in seine Kindheit zwischen 1966 und 1974. Dass die Geschichte biografisch eingefärbt ist, ist nach allem, was wir bereits über den Mathias kennen, der später in Tanzbands spielen wird („Fleisch ist mein Gemüse“), nicht von der Hand zu weisen. Ist das Aufwachsen in dieser Zeit schon schräg genug, mit der Hörzu als Meinungsbildner in den deutschen Haushalten und mit einer rauhen norddeutschen Dorfjugend als Peer-Group, zwischen Großeltern und Großtanten, die ihre Kriegserlebnisse als Depressionen an ihre Kinder weitergeben, so schafft es Heinz Strunk dazu noch, seinen Mathias in der Sprache der jeweiligen Altersphase reden zu lassen. Mit allem was dazu gehört.

So ein formales Experiment funktioniert nur, wenn man es als Autor geschafft hat, seine jugendliche Stimme im Kopf zu bewahren und zu pflegen und nicht irgendwann dazu übergeht, ausschließlich das Sprüchewerk der Erwachsenenwelt als Konversationsleitfaden zu benutzen, um die sicheren Lacher auf seiner Seite zu haben. Heinz Strunk ist ja schon immer genau das gewesen: ein Sprachforscher und einer, der daraus ein Fest macht, vielleicht in der Tradition von Loriot. Und da er das mittlerweile so gut drauf hat, wagt er sich in diesem Buch an die zarten Bande zwischen dem Kind und seiner engsten Umgebung Schulhof, Ferien, zu Hause, Edekaladen und der Familie, den Freunden und Freundinnen, die darin aus der Sicht des Heranwachsenden alles übergroß ausfüllen.

Alle meine Reviews bei Goodreads
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Warum wir zum Mars fliegen sollten

Ein leidenschaftlicher Vortrag von Robert Zubrin über die Notwendigkeit einer Marsbesiedlung. Am besten gefällt mir der Nebensatz, in dem er auf das Potential der Jugend verweist, vorausgesetzt man schafft die Möglichkeiten. Das sind die Momente, wo ich keinen Bock mehr habe, mich über irgendeine Religion zu unterhalten oder über Grenzen, die man hochziehen möchte. Wissenschaft gilt für manche auch als eine Art Glauben und wenn man dem Mann zuhört, gewinnt man den Eindruck, das ist einer ihrer besten Prediger. So what? Vielleicht sollten alle Wissenschaftler mindestens ein Semester Rhetorik und Verkaufsgespräche lernen. Ideen müssen gut erzählt werden, sonst hört doch keiner zu.