tempextales_hires_1

„The Fall of the House of Usher“ – Zwei Kurzfilme aus zwei Jahrhunderten

Vor ein paar Jahren erschein bei GKIDS eine Sammlung von insgesamt fünf Animationsfilmen zu Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. Ich habe nicht herausfinden können, ob und wo man die Filme beziehen kann, aber es gibt erstens einen Trailer dazu (unten) und zweitens eine der Geschichten, die von allen am besten aussieht, auf YouTube in voller Länge: „The Fall of the House of Usher“, gesprochen vom unvergleichlichen Christopher Lee.

Continue reading

figure-logo-hands

Figure ist das Instagram für Musiker

Seit ca. 1989 benutze ich einen Computer, um Musik zu machen. C64, Amiga, Atari ST, Windows-PC, Macbook. Das ist meine bisherige Timeline. Wobei die Windows-Phase ganz eindeutig die qualvollste war. Da klappte jahrelang weder zuverlässig der MIDI-Part noch konnte man flüssig Audiodateien bearbeiten und hintereinander hängen. Am schönsten aber war es bisher mit dem ASQ-10 von Akai, dem Vorläufer der legendären MPC, die beim HipHop-Sound der 90er den Takt angab und immer noch von vielen Künstlern eingesetzt wird.

asq2

Das bis jetzt letzte Glied in der Kette meiner Produktionsmittel ist das iPad/iPhone. Da hatte ich in den letzten Jahren immer wieder mal die ein oder andere Musik-App angetestet, aber irgendwie der Sache nicht getraut. Nicht unbedingt wegen der Performance der mobilen Geräte als eher wegen dem App-Prinzip, das ich als irgendwie zu hermetisch für einen tauglichen Austausch zwischen den Tools empfand.

Am letzten Wochenende habe ich mich dann während der Digital-Kunstmesse UNPAINTED in München mit Gary Danner vom AV-Performance-Duo Station Rose unterhalten und mir sein Setup näher angeschaut. Mit ihren außerirdischen Elektro-Dub-Performances während der vier Tage in der Kesselhalle hat er mich dann extrem neugierig gemacht, wie man das iPad als vollwertiges Instrument in den Gerätepark einbaut.

Continue reading

Buch-Review: „Never Let Me Go“ von Kazuo Ishiguro

Never Let Me Go von Kazuo Ishiguro
Solche Bücher gewinnen Preise, aber nicht leicht die Herzen der Leser. Der Autor von „Was vom Tage übrig blieb“ (verfilmt mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) hat mit „Never Let Me Go“ angeblich den wichtigsten Roman der letzten zehn Jahre geschrieben. Ohne Zweifel, die Grundidee, die man nicht verraten darf, weil sonst der Effekt weg ist, hat Charme. Aber wie es so oft ist bei Geschichten, die um einen Effekt herum gebaut sind, so wie die Filme vom M. Night Shyamalan, die Wirkungszeit kann recht kurz sein.

Weshalb oft die Auflösung erst gegen Ende kommt und man mit einer mittelmäßigen Story zu lange hingehalten wird. Nun ist Kazuo Ishiguro ein Autor, der nicht nur gute Ideen hat, sondern auch sein Handwerk beherrscht. “Never Let Me Go” ist also durchaus ein Buch dass man gerne bis zum Ende liest. Doch sicher nicht wegen seiner dystopischen Elemente, auch nicht wegen seiner Auflösung, die man schon in der Mitte des Buches von Weitem winken sieht. Aber wegen dem anrührenden Subtext. Einer, dem sich keiner entziehen vermag, der nur ein Quentchen zur Selbstreflexion fähig ist. Schaut man von außen drauf oder gehört man dazu? Und wie wichtig ist unser Standort für unsere komplette Entwicklung, für den Gang unseres Lebens?

Seine Figuren, die Ishiguro uns über das ganze Buch hinweg in unterschiedlichen Lebenabschnitten zeigt, führt er behutsam an den Rand der Klippe, von der aus man ins schäumende Leben hinabblickt, und wieder zurück in die Straßen, in kleinstädtische Gassen, in denen wir, wenn wir genau hinsehen, unsere Doppelgänger finden. Ishiguro gräbt ziemlich tief in unserer Existenz und fördert Bilder und Stimmungen ans Tageslicht, die man sich einprägt.

Buch-Review: „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald

The Great Gatsby war der letzte Roman von F. Scott Fitzgerald, bevor der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 den Roaring Twenties ein Ende setzte. So gesehen spielt die Geschichte schon fast im Mittelalter. Der gerade gefochtene Krieg, aus dem Gatsby mit vielerleih Orden behängt, zurückkehrt, um sich auf die Suche nach einer Frau zu machen, von der er im Schützengraben liegend dachte, dass er sie liebe, wurde noch mit Bajonetten auf den Gewehren geführt. Die Dekandenz der Zeit, mit der Fitzgerald beruflich wie privat in Berührung kam, fasst er hier in schimmernden Bildern zusammen, für die wohl wenige Autoren neben ihm eine so reiche Sprache gefunden haben.

Genau wie der Soziopath James Bond, so wird auch die Figur Jay Gatsby heute in der öffentlichen Wahrnehmung auf die rauschenden Feste, den Champagner, die maßgeschneiderten Hemden und Anzüge, über die eine Frau wie seine Geliebte Daisy Tränen der Begeisterung vergießen kann, und auf die Posen reduziert. Der einsame Bachelor steht spät abends auf dem gepflegten Grün vor seinem riesigen Anwesen und schaut auf ein Licht auf der anderen Seite der Bucht, wo die Frau seiner Träume von ihrem Ehemann hinter hohen Mauern gefangen gehalten wird. Und Gatsby lockt beide an, indem er alle Lichter in seinem noch größeren Haus entzündet, was ihm neben unzähligen Motten und Flapper auch irgendwann seine Daisy über die Schwelle trägt.

Fitzgerald nimmt sich seine Generation hier richtig vor. Am Morgen der Party bleiben sie alle müde auf den Stufen vor dem Palast liegen, tränen- oder blutverschmiert. “They were careless people, … they smashed up things and creatures and then retreated back into their money or their vast carelessness or whatever it was that kept them together, and let other people clean up the mess they had made.”

Buch-Review: „Junge rettet Freund aus Teich“ von Heinz Strunk

Junge rettet Freund aus TeichJunge rettet Freund aus Teich by Heinz Strunk
My rating: 4 of 5 stars

Heinz Strunk gehört zu den Autoren, die ganz besondere Bücher schreiben. Ob es ganz besonders gute sind, sollen andere entscheiden. Wer durchgängig in einem Roman „als Einzigster“ schreiben darf, der hat von seinem Verlag einen gewissen Grad an literarischer Narrenfreiheit erkaufen können. Schon bereits das ist harte Arbeit, vielleicht noch härter als das Schreiben selbst.

Bevor Heinz Strunk auftauchte, gab es das Kind, den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen Mathias Halfpape. In diesem Buch reisen wir mit ihm zurück in seine Kindheit zwischen 1966 und 1974. Dass die Geschichte biografisch eingefärbt ist, ist nach allem, was wir bereits über den Mathias kennen, der später in Tanzbands spielen wird („Fleisch ist mein Gemüse“), nicht von der Hand zu weisen. Ist das Aufwachsen in dieser Zeit schon schräg genug, mit der Hörzu als Meinungsbildner in den deutschen Haushalten und mit einer rauhen norddeutschen Dorfjugend als Peer-Group, zwischen Großeltern und Großtanten, die ihre Kriegserlebnisse als Depressionen an ihre Kinder weitergeben, so schafft es Heinz Strunk dazu noch, seinen Mathias in der Sprache der jeweiligen Altersphase reden zu lassen. Mit allem was dazu gehört.

So ein formales Experiment funktioniert nur, wenn man es als Autor geschafft hat, seine jugendliche Stimme im Kopf zu bewahren und zu pflegen und nicht irgendwann dazu übergeht, ausschließlich das Sprüchewerk der Erwachsenenwelt als Konversationsleitfaden zu benutzen, um die sicheren Lacher auf seiner Seite zu haben. Heinz Strunk ist ja schon immer genau das gewesen: ein Sprachforscher und einer, der daraus ein Fest macht, vielleicht in der Tradition von Loriot. Und da er das mittlerweile so gut drauf hat, wagt er sich in diesem Buch an die zarten Bande zwischen dem Kind und seiner engsten Umgebung Schulhof, Ferien, zu Hause, Edekaladen und der Familie, den Freunden und Freundinnen, die darin aus der Sicht des Heranwachsenden alles übergroß ausfüllen.

Alle meine Reviews bei Goodreads
„Junge rettet Freund aus Teich“ jetzt bei amazon.de kaufen

MarsMDRS-Hi-Res-cropped-e1414953022424

Warum wir zum Mars fliegen sollten

Ein leidenschaftlicher Vortrag von Robert Zubrin über die Notwendigkeit einer Marsbesiedlung. Am besten gefällt mir der Nebensatz, in dem er auf das Potential der Jugend verweist, vorausgesetzt man schafft die Möglichkeiten. Das sind die Momente, wo ich keinen Bock mehr habe, mich über irgendeine Religion zu unterhalten oder über Grenzen, die man hochziehen möchte. Wissenschaft gilt für manche auch als eine Art Glauben und wenn man dem Mann zuhört, gewinnt man den Eindruck, das ist einer ihrer besten Prediger. So what? Vielleicht sollten alle Wissenschaftler mindestens ein Semester Rhetorik und Verkaufsgespräche lernen. Ideen müssen gut erzählt werden, sonst hört doch keiner zu.

04_Foto Unpainted

Junge Digitalkunst: Im Februar startet UNPAINTED LAB 3.0 in München

Bereits 2014 war ich als PR-Mann mit dabei, als die UNPAINTED media art fair ihr Debüt in München feierte. Mehr als 6.000 Besucher kamen an diesem Wochenende im Januar in den Postpalast, 600 Kunstwerke von 60 internationalen Ausstellern aus über 12 Ländern wurden präsentiert.
Und auch die Presse kam, staunte und schrieb: FAZ, Die Zeit, Handelsblatt, Deutschlandfunk und viele andere berichteten überschwänglich über die erste „richtige“ Kunstmesse für digitale Medienkunst in Deutschland.

Die Sektion LAB 3.0, eines der Elemente, die UNPAINTED von Anfang an von anderen Kunstmessen abgehoben hat, wird jetzt als eigenständiges Format in München fortgesetzt. Für die kommende Ausgabe von LAB 3.0 hat Annette Doms, die künstlerische Leiterin von UNPAINTED, den New Yorker Kurator Nate Hitchcock, Mitbegründer der East Hampton Shed und ehemaligen Co-Kurator von Rhizome (NY), eingeladen, zusammen mit ihr das künstlerische Programm von UNPAINTED LAB 3.0 auf die Beine zu stellen. Und auch das wird wieder gut!

Continue reading

48J3eTn - Imgur-8 (verschoben)

Laufband raus, Brennholz rein

„Sag mal, Meike, das Laufband im Keller, das steht dort eh nur blöd rum, oder?“

„Ja, shit, war lange nicht mehr drauf. Ich glaub, ich brauch das blöde Ding nicht mehr. Kannst Du gerne auf Ebay verkaufen, wenn Du willst.“

„Mach ich. Wir brauchen eh mehr Platz im Keller. Habe eben einen Anhänger mit Brennholz ersteigert, der Typ bringt das heute Abend schon vorbei.“

„Echt jetzt? Für den neuen Ofen? Ah, das wird gemütlich!“

„Du, ich stell das Laufband schon mal in den Garten, da kann ich bessere Fotos machen.“

„Soll ich Dir helfen?“

„Nee, geht schon. Norbert kommt gleich und hilft mir beim Abladen. Wir machen das schon.“

48J3eTn - Imgur

Buch-Review: „Der amerikanische Architekt“ von Amy Waldman

Der amerikanische ArchitektDer amerikanische Architekt by Amy Waldman

My rating: 2 of 5 stars

Was passiert, wenn ein Architekt aus einer muslimischen Einwandererfamilie ausgelost wird, um die Gedenkstätte für die Opfer des 11. Septembers in New York zu errichten? Zuerst einmal klingt das wie eine Aufgabe aus einem Kurs für kreatives Schreiben. Doch auch zu diesem Thema gibt es ein Buch, über das viel geschrieben wurde. Vielleicht öfter als gelesen.

Der amerikanische Architekt“ gehört zu den Romanen, die Szenen aneinanderreihen, die alle wie schon mal durchgekaut schmecken. Wenn die fast stumme Witwe und trotzdem Sprecherin der Opfer sich mit dem karrieregetriebenen Architekt trifft, um zu besprechen, was man tun kann, um so wenig wie möglich anzurichten. Wenn der arbeitslose Bruder eines in den Türmen umgekommenen Lieblingssohnes seiner Eltern wieder nach Hause ziehen muss, dort aber konsequent von Mama und Papa ignoriert wird, dann liest sich das nicht wie eine gute Geschichte, sondern wie ein steifes Skript, das versucht, eine Geschichte zu sein, die ein zu großes reales Vorbild hat.

„The Submission“ heißt das Buch im Original. So wie „Soumission“ von Michel Houellebecq, das hier unter seinem richtig übersetzten Titel veröffentlicht werden konnte. Islam heißt auf deutsch „Unterwerfung“. Beide Bücher stehen für ein neugieriges Umkreisen um diese uns noch immer fremde Weltauffassung. Houellebecq wie gewohnt mit heruntergelassenen Hosen. Amy Waldman dagegen rücksichtsvoll, mit an allen Ecken befestigten Sicherungsgurten für allerlei Gemüter. Amerikanische Autoren mögen es sonst zupackender.

Alle Reviews bei Goodreads
„Der amerikanische Architekt“ jetzt bei amazon.de kaufen

Buch-Review: „The Martian“ von Andy Weir

The MartianThe Martian by Andy Weir

My rating: 5 of 5 stars

Die ersten zirka hundert Seiten kamen mir vor wie ein gut geschriebenes Botaniker-Blog, womit ich allerdings nicht viel anfangen konnte. Aber als erfahrener Leser weiß man, dass man auch mal durchhalten muss, genau wie Mark Watney selbst, der ja einen ziemlich aussichtslosen Kampf führt. Wie erleichtert war ich, als die Geschichte zur Erde geschwenkt ist, um die Handlung dort aufzunehmen.

Bret Easton Ellis hat zurecht kritisiert, dass Mark eigentlich kein Leben hat. Keine Freundin, keine Geschichte, keine Sehnsüchte, nur seine Eltern, die zusammen um ihn auf der Erde bangen. Wobei man sagen muss, Ellis hat mit Patrick Bateman selbst eine Figur erfunden, die noch viel weniger von sich preisgibt.

The Martian“ ist ein Buch, das gut in unsere Zeit passt. Ein Wissenschafts-Fanbook für ein großes Publikum. Das war überfällig, finde ich. Ein Selfpublisher-Märchen dazu. Und auch noch ein wahres. Andy Weir kann zurecht seinen Erfolg genießen, der Kinofilm ist ebenfalls ziemlich gelungen. Die hochunterhaltsame Vorlage hat dabei geholfen.

Meine Reviews bei Goodreads.com
„The Martian“ jetzt bei amazon kaufen.