Technicolored Rockmusic – Fu Manchu – „The Action Is Go“

Brant Bjork wohnt tatsächlich in der Wüste. So zwei Stunden von LA entfernt, meint er. Er ist sich allerdings noch nicht so ganz sicher, wo er wohnen wird, wenn er nach fünf Monaten Tour zurückkommt. Seine Wohnung wurde ihm wohl gekündigt, er weiß nicht wo sein Mitbewohner steckt.

Brant ist Schlagzeuger der Kalifornier Fu Manchu und war es auch bei Kyuss, stieg dort aber genau zu dem Zeitpunkt aus, als Kyuss hüben wie drüben so richtig gross wurden Trotzdem ist er der Typ der auf allen Kyuss-Platten (bis auf die letzte) getrommelt hat und das hat mir auch erstmal kurz die Sprache verschlagen. Brant ist ein gutes Stück kleiner als ich, hat aüsserlich ein bißchen was mexikanisches abbekommen und während er da auf seinem Stuhl sitzt/liegt und sich am Bauchnabelring rumspielt und über schlechte und gute Rockmusik und schlechte und gute Filme aus den Siebzigern spricht, erwähnt er kurz abfällig den Namen Guns ’n Roses und seine Frisur hat jetzt was von der von Slash.

Die Musik von Fu Manchu ist der Rock ’n Roll, „was typisch vorstädtisches“. Mir kommt die warme Leichtigkeit und tötende Langeweile der amerikanischen Vorstädte in den Sinn. Genau so sei es, meint Brant. Er habe Kyuss eigentlich wegen Fu Manchu verlassen und fühlt sich sehr wohl jetzt. Natürlich spielen beide Bands auf demselben Feld und wir haben hier keinen Kyuss-Ableger, aber Fu Manchu sind vielleicht eine Spur flotter und auf ihre Art derber, explodieren ein wenig schneller, um dann gleich das nächste Ding nachzuschieben. Bei Kyuss gibt’s die besseren Trips, bei Fu Manchu turnt besser der Jolli und das Sixpack. Und die Band verpackt ihre Musik in den Style der 70er, vertreten durch kilometerlange fettblaue Autos irgendwo vor fettblauem Himmel, durch ein Cover, das Tony Alva, einen Skateboardprofi aus jener Zeit (mit fettem Kopfhörer an) zeigt oder durch den Albumtitel „The Action is Go“, entliehen aus einem Motorradfilm namens „On Any Sunday“.

„In den 80er Jahren gab es so gut wie keine gute Rockmusik, bis auf einige wenige Ausnahmen vielleicht. Eine davon ist AC/DC. Sie haben für mich immer die beste Musik gemacht. Gleich neben Black Sabbath natürlich, aber die sind eben ein Thema der 70er.“

Es ist ihm wichtig, ihre Musik relativ trocken und nah am Rock ’n Roll zu halten und sein Schlagzeugspiel erlaubt sich bis auf die penetrante Cowbell keine Extravaganzen. Und das macht alles ganz einfach und stark und groovt tief und gut. Fu Manchu waren hier schon auf Tour (zusammen mit den Spiritual Beggars), vielleicht werden noch ein paar Festival-Gigs rausspringen, wer weiss. Aber das „Nachtleben“ in Frankfurt war brechend voll und das Konzert restlos ausverkauft. Das gibt mir zu denken. Was ist das nächste große Ding? Und wem kann ich glauben, der von soetwas spricht? Wer hätte gedacht, dass Rockmusik zur Jahrtausendwende so beliebt sein wird? Fu Manchu kümmern sich nicht darum was hip ist. Die beste Vorraussetzung um ganz vorne mitzuspielen.

fu-manchu.com

Der Text erschien erstmals 1998 im mittlerweile eingestellten Online-Magazin noisegate.com