Nostalgie ist nicht alles, was früher einmal war

Dass Musik der Soundtrack unseres Lebens ist, wird niemand bezweifeln, der in seiner Kindheit Zeit vor dem Küchenradio und seine Jugend in Autos und auf Tanzflächen verbracht hat. Welchen Einfluss Musik auf unsere Erinnerungen hat, zeigt eine Studie des Neurowissenschaftlers Petr Janata vom Center for Mind and Brain der University of California in Davis.


Janata und sein Team nutzten für die Studie 1500 iTunes Preview-Clips aus den US Top 100 der Pop- und R&B-Songs der letzten 15 Jahre. Alle Lieder waren populär als die Stundenten zwischen 7 und 19 Jahre alt waren. Die 329 Probanten hörten sich jeweils 30 dieser Lieder an, die das Team ihnen nach dem Zufallsprinzip zuteilte.

Dann stuften die Studenten die Titel nach Bekanntheitsgrad ein, bewerteten nach Beliebtheit und hatten auch die Möglichkeit, eine Beschreibung ihrer Erinnerungen einzugeben. Dachten Sie dabei an bestimmte Personen, an Orte oder an bestimmte Ereignisse? Welche Wörter oder Sätze bringen Sie mit den Liedern in Verbindung?

Im Durchschnitt erkannten die Studenten die Hälfte der Lieder. Je bekannter der Song, desto stärker auch die Erinnerung und auch die Gefühle, die dabei meistens positiv waren. Eines der stärksten Gefühle darunter war Nostalgie.
Allerdings riefen nur insgesamt 30% der Lieder überhaupt Erinnerungen hervor. Am beliebtesten waren die Songs, die man als Teenager gerne gehört hat, was nicht heißt, dass die Erinnerung an die Zeit am frischsten ist. Denn auch aus der Phase als 7Jähriger wurden bei den richtigen Titeln genauso starke Erinnerungen wach.

Lieder die gefielen, konnten eher Erinnerungen abrufen als welche, die nicht so beliebt waren. Klar ist allerdings nicht, ob die Beliebtheit der Grund für die Erinnerung ist oder die Erinnerung der Grund für die Beliebtheit. In den meisten Fällen kamen in den beschriebenen Erinnerungen Autos und bestimmte Orte vor, an denen Musik gehört wird. Was Popwissenschaftler auf der Suche nach dem perfekten Hit weiterhin im dunklen tappen lässt: Es konnte kein Muster festgestellt werden, welche Songs am besten gefallen.

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Album-Artwork und die Musik dazu: Perfekter Stimulus für meinen rostromedialen prefontalen Cortex

Klar ist nach dieser Studie auch nicht, wie genau und richtig die Erinnerungen sind, die durch Musik hervorgerufen werden. Unsere Erinnerungen, ob exakt oder nicht, lassen uns die Vergangenheit erleben. Für Janata wäre in diesem Zusammenhang auch ein Vergleich zu den Erinnerungen interessant, die durch Bilder erzeugt werden. Eine schöne Auswahl an Album-Covern würde dabei sicher meinen rostromedialen prefontalen Cortex in helle Begeisterung versetzen. Genau dieses hinter der Stirn liegende Stück Hirnrinde organisiert nämliche neben logischen Denkvorgängen auch die Differenzierungen zwischen emotionaler und unemotionaler Bedeutung der eingehenden Wahrnehmungen und steht außerdem in Verbindung mit einem Ort im Gehirn, der für die grundsätzliche Wahrnehmung von Geräuschen zuständig ist.

Das hat Professor Janata schon 2002 in einem ähnlichen Versuch herausgefunden. Die Kernfrage bei all dem für Menschen mit einem Bildungsauftrag: Kann ich mit Hilfe von Musik bestimme erlebte Situationen oder zu erlernendes Wissen gezielt und tief genug speichern? Daran zweifeln genauso viele wie daran glauben. Aber eine Tatsache könnte dem Ganzen einen Strich durch die Rechung machen: Es gibt nicht nur eine Erinnerung pro Lied, sondern mehrere. Janata hatte damals schon herausgefunden, dass bei jedem neuen Vorspielen einer Melodie oder eines Tones das Gehirn jedes Mal anders reagierte. Zitieren möchte ich ihn auch noch gerne: „Musik ist ein viel erforschter Stimulus. Sie ist nicht notwendig für uns zum Überleben, trotzdem sehnt sich irgendetwas in uns danach.“

(via Dailygalaxy.com)