Materialmangelerscheinungen – „The Clash – Live at The SheaStadium“ & „Revolution Rock“

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Einer oft angebrachten Weisheit nach ist Punk in dem Moment zugrunde gegangen, als die erste Punk-Platte erschien. Die Bewegung hatte ihre Geburtstunde, wie viele andere Rockstile auch, auf der Bühne. Im richtigen Moment im Publikum gestanden zu haben, daran wird man noch heute gemessen. Mit drei Akkorden und befreiendem Lärm liessen sich damals zwar hervorragende Studioplatten aufnehmen, aber eine gut funktionierende Liveaufnahme der Sex Pistols, Ramones oder eben von The Clash sucht man vergebens in den Bestenlisten. Trotzdem hat SonyBMG gerade wieder einen Versuch unternommen, das Beste aus dem rauszuholen, was Joe Strummer und seine Kollegen uns hinterlassen haben.

„The Clash – Live at The Shea Stadium“, das klingt schon mal monumental, so wie man Legenden eben gerne sieht und auch gut verkaufen kann. Tatsache ist, The Clash spielten 1982 eine Tour im Vorprogramm von The Who vor einem Publikum, von dem nur ein kleiner Teil mit dem Rock’n’Roll–Nachwuchs etwas anfangen konnte. Strummer, damals zwar schon 30, hatte sich kurz vorher einen Iro schneiden lassen, ihr letztes großes Album „Combat Rock“ war gerade frisch im Kasten und ihr einzig guter Schlagzeuger Topper Headon gerade wegen seiner Heroinsucht ausgetauscht worden gegen Gründungsmitglied Terry Chimes.
Der Katalog von The Clash weist wirklich kaum nennenswerte Schwächen auf, einzig die Menge des Materials ist überschaubar, 1983 war ja schon Schluss mit der smartesten aller Punk-Bands. Und „Live at The Shea Stadium“ ist neben der ebenfalls offiziellen Live-CD „From Here To Eternity“ und einem Bootleg, von dem ich nicht weiß, ob es irgendjemand außer mir jemals bis zum Ende gehört hat, der gerade mal dritte Livemitschnitt als Album, den ich von The Clash kenne. Das macht vieles wieder wett. Das lasche Publikum, den sehr unfunkigen Terry Chimes, die ans Publikum angepasste, sichere Setlist und das zurückhaltende Tempo. Wer die Songs schon hunderte Male gehört hat, ist vielleicht dankbar, wenn sie mal etwas anders klingen. Als ersten Berührungspunkt mit The Clash könnte die CD aber einen irreparablen Schaden anrichten. Dafür eignet sich jedes ihrer Studioalben besser.

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Zeitgleich ist eine DVD mit ähnlichem Artwork erschienen: „Revolution Rock“ hat über 20 Konzertausschnitte zwischen 77 und 82 parat und zeigt die rapide Metamorphose der Band von zackigen Rabauken zu musikeloquenten Rockerneuerern. Zwei von Kennern ausgewählte TV-Kurzinterviews gehören zum Bonusmaterial. Eines davon mit dem gut gekämmten Tom Snyder, der durfte sich schon 1981 an PIL die Zähne ausbeißen. Das ein oder andere auf „Revolution Rock“ hat man vielleicht schon irgendwo gesehen, auf VHS oder Youtube, aber als Scheibe im Schuber macht die Zusammenstellung für jeden Sinn, der die Band gut oder gar nicht kennt.

Selbstredend findet man auch in der digitalen Röhre ein abendfüllendes Programm an Livematerial von The Clash. Hier zwei Höhepunkte, die man meinem Stand nach noch nicht auf DVD bekommt:

London’s Burning (Live in München)

Train in Vain (live)