Schwellenangst ade! Die Berliner Philharmoniker streamen ab Januar 2009in hoher Qualität

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Die Berliner Philharmoniker werden am 6. Januar zum ersten Mal ein Konzert in voller Länge live im Internet übertragen und von da an mehr als 30 Konzerte pro Saison. In der neuen Digital Concert Hall kann man ab jetzt schon Karten kaufen, Einzeltickets kosten knapp 10 Euro, ein Saisonticket 149 Euro. Damit gehen die Berliner Philharmoniker als erstes Orchester weltweit den konsequentesten Schritt ins Netz und geben damit auch der Musikstudentin in New York die Möglichkeit, bei einer Aufführung live dabei zu sein.

Vor der Anmeldung sollte man jedoch die Bandbreite der Internetverbindung testen, sonst wird aus dem Hochgenuss ein Diavortrag mit Tonaussetzern. Der Konzertsaal ist mit ferngesteuerten Kameras gespickt, so dass man gegenüber dem Besucher vor Ort sogar den Vorteil hat, den Abend aus vielen Perspektiven zu genießen. Klappt es mit der Verbindung, bekommt man Bild und Ton in High-Definiton auf den Bildschirm. Alles Vorzüge, die wir schon vom TV kennen und auch bei Fußballspielen zu schätzen wissen. Der Clou an der Sache ist aber, dass man die Konzerte auch aus dem Online-Archiv abrufen kann, wenn man sich vielleicht vergewissern will, ob der Kulturredakteur der Tageszeitung mit seiner Kritik richtig liegt. Bisher war es dafür am nächsten Morgen immer zu spät.

Der Hochkulturbetrieb entdeckt das Internet und macht ganz schön Wind, wie auch zuletzt mit dem YouTube Symphony Orchestra. Den Anfang in der Digital Concert Hall wird Sir Simon Rattle im Januar mit der ersten Sinfonie von Brahms machen. Rattle soll auch derjenige gewesen sein, der die Berliner Philharmoniker dazu angehalten hat, sich einem größeren Publikum zu öffnen und das elitäre Image des klassischen Orchersters zu überwinden. Der geistige Vater dahinter scheint aber auch Herbert von Karajan zu sein. Zu Lebzeiten bessessen von neuer Technologie, hat er ständig am Klang des Orchesters gearbeitet und 1980 mit seinem Musikern die erste digitale CD-Aufnahme eines klassichen Konzertes überhaupt auf die Beine gestellt, die Alpensinfonie von Richard Strauss.

(via The Guardian)