Post von der GEMA

Seit zwei Tagen sperrt YouTube in Deutschland sukzessive Millionen Musikvideos. Das Google-Tochterunternehmen kann sich mit der Verwertungsgesellschaft nicht über einen angemessenen Lizenzpreis einigen. Betroffen sind Videos der Plattenfirmen EMI, Sony und Universal sowie weitere Independent Labels. In Großbritannien reagierte YouTube vor kurzem genauso.

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Im Land der Trompetenwürmer: Die GEMA-Generaldirektion in München (Foto: GEMA)

Den gerade ausgelaufenen Vertrag mit der GEMA (“Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte”) wollte YouTube nicht mehr verlängern. Der Vertrag erlaubte dem Videoportal, Filme mit der Musik der o.g. Firmen spielen zu dürfen. Doch jetzt hat man sich bei der Verwertungsgesellschaft einen Preis von 12 Cent pro gestreamten Titel überlegt. Laut Google-Sprecher Hennig Dorstewitz ist das “Lichtjahre von marktfähigen Preisen entfernt” (FAZ), angeblich 50-mal so hoch wie die Forderung der englischen Kollegen von der PRS.

Bei Deutschlands großer Musikervertretung hat man sich also lange den Kopf darüber zerbrochen, nach welchem Satz man einen Videoabruf auf YouTube berechnen könnte. Was dabei rausgekommen ist geht etwas an der Wirklichkeit vorbei. Denn die Wirklichkeit im Netz heißt Google. So gesehen ist die altehrwürdige GEMA so etwas wie ein verbeamteter David, wenn auch ein nicht mehr ganz so junger, der den ungestümen Datenriesen (oder zumindest seine Tochter) herausfordert und verärgert. Und das auch noch zu einem Zeitpunkt, wo Firmen wie Youtube, Twitter, Facebook und Myspace ja „noch gar kein Geld verdienen“.

Der kulturelle Schaden wird überschaubar bleiben. Zieht YouTube die Filme für zu lange Zeit ab, werden sie woanders wieder auftauchen. So wird vielleicht demnächst ein Startup-Videoportal aus dem Stand nach oben katapultiert. Etwas technisch besseres als YouTube kann ich mir schon lange vorstellen. Doch auch das nächste große Videoportal wird irgendwann Post von der GEMA bekommen, und die liegt so schwer auf dem Tisch wie ein Bescheid vom Finanzamt.

Es ist gut möglich, dass die GEMA immer noch nicht begriffen hat, was genau ein Videoportal ist. Aber das braucht sie auch nicht. Sie streicht für die öffentliche Nutzung von Musikstücken eine Gebühr ein, die an die Künstler weiterfließt. Ob bei der Teppichlanderöffnung, in der Kneipe, im Radio, im Kino, auf Konzerten oder im Internet – alle müssen zahlen. Auch YouTube (oder ein Nachfolger) kommt daran nicht vorbei. Wenn am Ende der Debatten und Verhandlungen nur ein Cent pro Abruf auf Portalen wie YouTube oder Last.fm für den Künstler hängen bleiben, wäre das ein enormer Anreiz für viele Musiker, einen noch größeren Teil ihrer Energie auf das Schaffen von Neuem zu verwenden.

Zur Zeit machen die Internetfirmen ihre Rechnung ohne alle Beteiligten. Dass das Netz keine Goldgrube ist (zumindest nicht für alle), auch das muss die GEMA nicht interessieren. Wenn sich YouTube am Ende nicht rechnet, kann man nicht so laut die Zulieferer dafür verantworlich machen. Wir haben vielleicht zu viel Geduld mit den Firmen im Netz, die schlicht und einfach noch keinen Weg gefunden haben, alles rentabel unter einen Hut zu bringen und die sich in der Zwischenzeit mit fremdem Eigentum über Wasser halten (persönliche Daten, Musik, Filme).

Ich glaube gar nicht an eine Umsonstkultur. Der Mensch hat von Natur aus ein sehr kompliziertes Verhältnis zum Geld und schätzt den Wert von Waren oft sehr willkürlich ein. Mit dem richtigen Dreh bekommt man seine Kunden aber immer zum Zahlen. Also bitte etwas mehr Phantasie!

Wenn zukünftige Verhandlungen zwischen Internetfirmen und Verwertungsgesellschaften auf dem Niveau wie im aktuellen Beispiel geführt werden, dann frage ich mich, was passiert, wenn sich irgendwann einmal eine Gewerkschaft mit Google oder Yahoo! rumschlagen muss.

So lange die Videomaschine noch was ausspuckt, gibt’s auch hier noch was zu sehen: