meedia.de feiert SZ Online zu früh und Kai Diekmann erledigt die Recherche

Nein, das hat er ihnen nicht gegönnt. Die Lorbeeren, die sueddeutsche.de für die letzte Ausweisung ihrer Page Impressions (PIs) bei der IVW einheimsten, haben gestunken („Süddeutsche.de triumphiert bei News-Sites„). Das hat BILD-Chefredakteur Kai Diekmann sofort gerochen und in seinem neuen Blog auch gleich klar gestellt. Während Meedia.de gestern noch vermutet hatte: „Fein-Analysen werden zeigen müssen, ob der sagenhafte Traffic-Anstieg auch über eine Suchmaschinen-Optimierung oder gar über einen vermehrten ‚Traffic-Ankauf‘ via Google Ad Words erreicht worden ist“, ging Diekmann ans Werk und wertete in einer feinen Analyse nackte Zahlen aus. Zahlen, die nicht nur ihm vorbehalten sind, sondern die frei zugänglich auf ivw-online abrufbar jedem zur Verfügung stehen, zum Beispiel zur Recherche. In der Grafik springen einem der Zugang an Spiele-Page Impressions (gelb) noch stärker ins Auge:

IVW-Auswertung: SZ Online spielt ganz vorne mit

Gut verständlich, wenn da die Konkurrenz aufschreit, wird dieser Titel als Gewinner unter den News-Seiten gefeiert. Heute hat Meedia.de dann auch nachgeliefert: Der Freie Journalist und Blogger Alexander Becker hat in seinem Beitrag eine feinere Analyse geliefert als die Kollegen am Tag zuvor. Nur Bernd Graff, stellvertretender Chefredakteur von Sueddeutsche.de, hat noch keine genaue Auswertung auf dem Tisch und vermutet: „Die Ursachen dafür sind sicherlich die Einführung von Blogs, die Neugestaltung unseres Headers und der Artikelseiten, die eine bessere Usability erlauben, und ja, sicherlich auch Online-Spiele“.

Fairerweise muss man sagen, dass nicht nur „die Süddeutsche im Web auch im redaktionellen Bereich beständig wächst“ (meedia.de), sondern dass so ziemlich alle Verlage, die im Netz mitspielen, in den letzten Jahren in die Trickkiste gegriffen haben, um ihre hohen Online-Anzeigenpreise zu untermauern. Auf Spiele lassen sich nicht alle ein, aber es gibt noch andere Wege, den Leser zur Klickmaschine zu degradieren. Auch wenn der faule PI-Zauber 2010 ein Ende haben soll und man den Besucher („visit“) ernster nehmen möchte, der Druck auf die Anzeigenabteilungen bleibt.

Jeff Jarvis würde in diesem Zusammenhang von einer „künstlich erzeugten Knappheit“ (scarcity) sprechen und er tut das schon seit Jahren. Wenn es um Content und Anzeigen im Netz geht, verhält sich die Verlagsbranche wie ein Markt unter einer Käseglocke, die irgendwo im Internet rumsteht. Man kämpft noch um Anteile unter der Glocke, aber wagt keinen Blick nach draußen, wo es unendlich viel Platz gibt, um zu expandieren.