So viel Öl und Kohle. Mein Besuch bei Neo Rauch

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Den Struwwelpeter wünsche ich mir in einer Version von Neo Rauch. Den Friederich, den Schneider mit der Scher, den Jägersmann. Heinrich Hoffmanns Kinderbuch steht ja nicht gerade für die pure Zuversicht (außer vielleicht der Fliegende Robert), und Neo Rauchs Ölgemälde auch nicht. Abgesehen davon gibt es bei beiden diese Menschen, die mit Schaufensterpuppengestik ständig irgendwo hinzeigen. Seine aktuelle Werkschau in der Pinakothek der Moderne in München unter dem Titel „Begleiter“ hat es in sich. Die Polkes, Baselitze und Immendorffs in den Nachbarräumen müssen sich in acht nehmen vor dieser wunderbaren, arroganten Kunst des „Leipziger Schülers“ Rauch. Selbst Thomas Bernhards grantelnder Musikkritiker Reger („Alte Meister“) müsste zugeben, dass Rauch sehr wohl eine Hand malen kann, und sehr wohl auch ein Gesicht malen kann. Aber das ist ja nicht alles. Diese meterhohen Bilder aus einem Unterbewusstsein, dass man näher gar nicht kennen lernen möchte, geben sich trotz ihrer Größe als winzige Ausschnitte aus einem noch viel größeren Grauen. Wir bekommen nur die leichten, bunten Häppchen. Und schlucken immer noch schwer daran.

(Sympathisch dagegen nach wie vor der Westfale Beuys auf der anderen Seite der Rotunde der Moderne. Seine Werkstücke in der Pinakothek haben einen überraschend langen Atem und sprechen klarer als diese ganze Malerei um sie herum. Einen Abstecher zum guten Joseph empfehle ich als reinigenden Abschluss.)

 

Ein defekter Ölturm im Golf von Mexiko verbrennt gerade pro Tag 6,5 Millionen Dollar, Neo Rauch streicht für eines seiner Bilder bis zu 1 Million Dollar ein und ich bezahle 10 Euro Eintritt für die Pinakothek der Moderne. Ich sollte doch mindestens 1.000 Euro an der Kasse abgeben, ich würde dann vielleicht nicht ganz so unbedeutend vor so viel Öl stehen müssen.

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