Monthly Archives: Dezember 2010

Ziviler Ungehorsam kann als Haltung geschätzt werden, auch von Journalisten #guardian #wikileaks #operationpayback

Man kann tatsächlich für eine angesehene Zeitung arbeiten und trotzdem etwas Positives an Wikileaks und Operation Payback finden – und das auch schreiben! So geschehen im heutigen Editorial bei The Guardian. Hier der Satz, der mir dort besonders gefiel: 

The hacktivists of Anonymous may be accused of many things – such as immaturity or being run by a herd instinct. But theirs is the cyber equivalent of non-violent action or civil disobedience. It disrupts rather than damages.

Disobedience. Ziviler Ungehorsam. Das ist eine Haltung, die in England eine lange Kultur hat, deshalb sind die Blicke darauf geschärft, deshalb machen die Studentenkrawalle auch vor der Limousine von Prinz Charles nicht halt. Und deshalb wird von einer Zeitung dort auch erwartet, dass sie einen Protest oder eine Sache wie Wikileaks nicht als Idiotentum abtut, sondern ggf. auch mal wertschätzt. Die Kommentare unter dem Guardian-Editorial bestätigen das. Welt Online dagegen erspart sich und ihren Journalisten die Leser-Kommentare und macht dicht, wenn es ihnen zu bunt wird:

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(Mittlerweile sind die Kommentare wieder online, wenn auch nicht alle wie es aussieht.)

Die Wochenendausgaben unserer geschätzten Tageszeitungen laufen gerade rund in den Druckereien. Bin gespannt, welcher Qualitätsjournalist mich morgen früh vom Unsinn des zivilen Ungehorsams überzeugen möchte.

Hier gibt es mehr darüber und über den Guardian-Artikel:

Malzahns Melange

Herr Malzahn will es noch mal wissen

Jeff Jarvis: Me & media on Wikileaks

Nicht von Pappe: Entschlacktes Lesen mit dem eReader. Nur beim Nachschub gibt’s Probleme

Gestern habe ich mein erstes komplettes eBook auf einem sogenannten Reader zu Ende gelesen. „Tage der Toten“ von Don Winslow ist ein Monster von einem Krimi, gespickt mit seitenweise Hintergrundinfos zu den Drogenkartellen in Mittel- und Südamerika und den schmutzigen Kriegen, die die USA in der Region finanziert und befeuert haben. Ein echter Lesegenuss, wenn auch bluttriefend. Interessant, wie ich manche harten Szenen nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Diesen Effekt spricht man ja sonst nur Filmen zu. Am Ende klappt man für gewöhnlich einen solchen Roman zu und sieht an den zerlesenen Kanten, was man geleistet hat. 680 Seiten sind kein Pappenstiel. Diesmal war aber gar keine Pappe im Spiel.

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