Monthly Archives: Januar 2013

Die ganze Arbeit umsonst – Amazon hat meine CDs schon gerippt!

Seit letzter Woche auf meinem Radar für Dinge, die ich ausprobieren muss: AutoRip. Obwohl ausprobieren brauche ich das nicht mehr, um eine digitale Kopie meiner CDs kümmert sich Amazon ganz ohne Aufforderung, solange ich die CD in den letzten 15 Jahren dort gekauft habe. Und das sind nicht wenige, nur eine Handvoll paar habe ich von HMV, ein paar mehr vielleicht gebraucht auf Ebay gekauft.

So ein bißchen überflüssig ist das Ganze aber trotzdem in dem Moment wo ich einen Spotify-Account nutze. Deren Katalog beliefert auch meiner Suche nach sehr vergessenen Post-Punk-Perlen wie etwa Sound On Sound von Bill Nelson’s Red Noise. Außerdem habe ich schon vor 10 Jahren hunderte meiner CDs erst mit CDex und später mit iTunes digitalisiert, die liegen heute alle brav in der iTunes Match Cloud, die ich sehr wahrscheinlich im nächsten Jahr nicht mehr nutzen werde. Alles schon erledigt. Die Musik, die ich auf Spotify finde, reicht für den Rest meines Lebens, und von dem ist jetzt auch schon etwa die Hälfte um. Also danke, Amazon, die Arbeit könnt ich Euch sparen.

Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass AutoRip für Amazon selbst noch was anderes erledigt. Denn wenn ich weiß, dass alle meine CDs – und fast jeder kauft fast alle seiner CDs bei Amazon – dass also diese ganze Musik für mich als Backup irgendwo liegt, dann kann ich meine CDs doch auch gleich verkaufen, am besten schnell, so lange noch irgendjemand CDs kauft. Also raus damit.

Kaleb Lechowskis Kurzfilm R’ha legt die Latte für Vorproduktionen ein gutes Stück höher.

Bildschirmfoto_2013-01-15_um_11

Kaleb Lechowski, Filmstudent aus Berlin, hat innerhalb von 7 Monaten fast im Alleingang diesen Renderfilm produziert. Nicht nur der sechsminütige Film ist nahezu perfekt, sondern auch seine Taktik, denn der Kurzfilm ist ein hervorragender Teaser, um Leute aus dem Business auf sich aufmerksam zu machen.

Ob man nun ein Crowdfundingmodell nutzt oder einen neuen Kunden gewinnen möchte, Euer Teaser, den Ihr veröffentlicht, sollte dem was es am Ende sein soll, so nahe wie möglich kommen. Nicht dass Eure Geschäftspartner keine Phantasie hätten, aber sie haben auch nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung, ob nun 20 Euro für eine CD oder 20 Millionen für Euren Film, und die möchten sie nur für das Beste ausgeben. Also ist Rausputzen angesagt.

R´ha [short movie] from Kaleb Lechowski on Vimeo.

R’ha ist ein komplett fertiger Film, kein Demo, nichts Halbfertiges, weil es eben gerade nicht besser ging, sondern ein Vertrauensbeweis, dass Kaleb Lechowski das Zeug zu einem Filmemacher hat, der auch mit einem größeren Budget etwas Ordentliches auf die Beine stellt.

Die Zeiten von Demo-Tapes sind endgültig vorbei

Die Produktionsmittel, die heute jedem Kreativen für relativ wenig Geld zur Verfügung stehen (Laptop: 500 Euro, Final Cut Pro: 270 Euro, Logic Pro: 180 Euro), sind so professionell, dass es keinen Grund mehr gibt, vorab Demo-Filme und Demo-Tapes zu veröffentlichen. Kaleb Lechowski nutzt die Open-Source Render-Software Blender: 0 Euro.

Als Musiker habe ich auf einem Vierspur-Recorder meine Demos produziert, weil ein Aufnahmestudio einfach nicht drin war. Heute trage ich mein Aufnahmestudio und meine Filmkamera in der Hosentasche mit mir herum und auf jedem Laptop bekomme ich mit preiswerter oder kostenloser Software aus dem Stand Ergebnisse, die früher nur große Studios abliefern konnten.

Falls man unbedingt einen künstlerischen Prozess dokumentieren möchte, sollte man mit Einblicken in Halbfertiges auch eher sparsam umgehen, der erste Eindruck bleibt wichtig.

Übrigens konnte man vor 20 Jahren natürlich auch mit Vierspuraufnahmen und auf klobigen Videokameras produzierten Filmen Geldgeber finden. Doch wer im Rahmen der Möglichkeiten seiner Produktionsmittel an die Grenzen des Machbaren geht, hat schon immer Respekt verdient. Im Jahr 2013 legt Kaleb Lechowski die Latte für semiprofessionelle Filmanimationen gleich ein gutes Stück höher.