Billy muss raus. Thom Yorke geht freiwillig. Ludwig Hirsch und The Residents sind gute Nachbarn

In diesem Jahr habe ich meine CD-Sammlung (die ich nun auch nicht mehr so nenne, sammeln ist jetzt mal vorbei) von zirka 1500 Stück auf vielleicht 150 Stück reduziert. Hintergrund waren gar nicht mal meine neuen Hörgewohnheiten, die nun stark von Spotify geprägt werden, als vielmehr einfach mal Platz zu schaffen im Haus. Mittlerweile konnte ich ein ganzes Billy-Regal abbauen, ein weiteres wird bald folgen.

In Phase eins, die sich über mehrere Jahre zog, hatte ich einzelne CDs mal über Amazon verkauft, das mache ich auch immer noch, aber der große Schwung ging bis zuletzt mit momox.de aus dem Haus. Flohmarktpreise, klar. Aber auch das wusste ich erst zu schätzen, als ich mich an meine Flohmarktaktion im Winter erinnerte. Also lieber nicht den ganzen Tag in Riem rumstehen und frieren, sondern vorm Regal sitzen und mit der momox-App die Barcodes scannen und dabei vielleicht eine CD hören, die man ansonsten auch die nächsten Jahre nicht in die Hand genommen hätte.

Natürlich habe ich von fast allen meinen CDs schon viel früher Sicherungskopien gezogen, die MP3s liegen nun auch wieder auf einem Datenträger im Regal, nehmen aber natürlich weniger Raum ein. Außerdem stehen die meisten davon auch in der iTunes Cloud für mich zur Verfügung, ein weiterer großer Teil auf Amazon, die mir letzte Woche mitgeteilt haben, dass nun alle 139 CDs, die ich in den letzten 15 Jahren dort gekauft habe, digital abrufbar sind.

139 CDs. Oh Mann. Es besteht also wirklich kein Grund für mich, zuhause weiter CDs zu horten. Es sei denn jemand schaltet das Internet ab. Einem Musiker wie Thom Yorke, dem Sänger der englischen Band Radiohead, dem wäre das durchaus zuzutrauen. Yorke hat einen ziemlichen Hals auf Musikdienste wie Spotify und Pandora und hat sein Solo-Album „Eraser“ jetzt dort runtergenommen:

Die neuen Künstler, die ihr auf Spotify entdeckt, verdienen kein Geld. Die Aktionäre hingegen werden sich bald darin wälzen. So einfach ist das.

Mit Musik Geld verdienen, das war schon immer ein harter Job. Ich schätze Yorkes Haltung natürlich, aber manchmal kommt es mir so vor, dass die Diskussion um ausreichend bezahlte Künstler noch mehr Leute auf die Idee bringt, Künstler zu werden. Und das ist ein Lifestyle, für den ist nicht jeder gleichermaßen geeignet, glaubt mir. Als Musiker gibt man immer mehr als man zurückbekommt, damit muss man klar kommen, sonst besteht das Künstlerleben nur noch aus Frust.

Eins ist sicher: Musikkäufe, die ich zuhause irgendwie archivieren muss, werden sich bei mir in Zukunft sehr in Grenzen halten. Niemand kann von mir erwarten, dass ich zu Hause einen Festplattenpark verwalte oder meine Wände mit CDs pflastere, nur damit jemand anders davon leben kann. Ich habe in Vergangenheit manche Releases sogar mehrfach gekauft, erst als Download, dann als CD, und wenn ich vollends begeistert bin, dann auch noch als Vinyl. Also Musikanten, begeistert mich!

Schallplattensammlung

Ja, schau genau hin. Bei mir sind Ludwig Hirsch und The Residents gute Nachbarn.

Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass ich jemals meine Schallplatten so billig verkaufe wie meine CDs. Eigentlich möchte ich die alle behalten. In den ganzen Jahren war ich mir nicht zu fein, eine Platte nach der ersten Seite rumzudrehen, als Vorteil von CDs habe ich das Nichtrumdrehen eh nie verstanden. Ich weiß auch nicht, ob der Klang von Vinyl besser ist. Ich habe hier einen feinen Plattenspieler, einen passablen Yamaha-Verstärker und ein paar sauber klingende JBL Control 1G-Monitorboxen, die mich ohne Brummen und Murren seit 15 Jahren und länger begleiten. Schallplatte raus, Nadel drauf und los geht’s. Keine Updates, keine Schreib- oder Lesefehler, und der analoge Abrieb hält sich in Grenzen, erst recht wenn man ihm den ein oder anderen Speichergau gegenüberstellt, den ich in der Vergangenheit meistern musste.

Das beruhigende and Spotify, iTunes und Pandora ist für mich nicht in erster Linie das Bequeme, sondern für mich als „Datenmanager“ einmal mehr die Gewissheit, dass nichts mehr endgültig verloren gehen kann. Selbst das noch so rare Live-Bootleg lässt sich im Netz schnell wieder besorgen und sogar als Vinyl nach Hause bestellen. Und falls jemand tatsächlich das Netz abdrehen sollte, dann höre ich halt wieder die Musik, die ich vor 25 Jahren gehört habe. Das mache ich ja auch so schon.

Vorher aber noch schnell mein aktueller Spotify-Plattenteller:

  1. PiL – This is PiL
  2. The Stranglers – The UA Singles 1977-1982
  3. Mussorgsky – Boris Godunov 
  4. Haim – Don’t Save Me
  5. Zola Jesus – Conatus
  6. Eleanor Friedberger – Personal Record
  7. Pet Shop Boys – Electric
  8. Eïs – Kainsmal
  9. Mathew Johnson – Her Blurry Pictures
  10. Benjamin Britten – Premieres