PRISM-NSA

Yahoo fordert gerichtlich mehr Transparenz, Google sollte folgen

Der NSA-Skandal lässt die Branchenplatzhirsche zittern. Google, Facebook, Apple, Microsoft und ihre Mitbewerber stehen nach den Enthüllungen Edward Snowdens als Werkzeuge staatlicher Überwachung da, die dem US-Geheimdienst weitreichenden Zugriff auf ihre Nutzerdaten erlauben.

Doch gestern wurde bekannt, dass Yahoo vor einem US-Gericht erreicht hat, dass bestimmte Teile eines Vorgangs aus dem Jahr 2008 offengelegt werden müssen, bei dem Yahoo angewiesen worden war, im Rahmen von „Prism“ Kundendaten herauszugeben. Yahoo möchte damit erreichen, dass öffentlich wird, unter welchem Druck sie mit der NSA kooperieren mussten. Sie betonen, dass sie „immer wieder zur Datenfreigabe gezwungen wurden“.

Letzte Woche war der Microsoft-Konzern zu diesem Thema in aller Munde. Er soll dem amerikanischen Geheimdienst angeblich weitreichenden Zugang zu den Nutzerdaten seiner Dienste Skype, Hotmail, Live und Outlook.com ermöglicht haben. In der Berichterstattung wirkt Microsoft weniger wehrhaft als jetzt Yahoo. Sie betonen, man sei „verpflichtet, den Behörden den Zugang zu Informationen zu gewähren“, man würde aber gerne offener darüber reden.

Google beteuert unterdessen, dass man sich „weder Prism noch irgendeinem anderen staatlichen Überwachungsprogramm angeschlossen“ hat. Deren Rechtsabteilung prüft nach Aussage von Google-Chefjurist David Drummond „jedes Ersuchen nach Nutzerdaten“ und er lobt nebenbei die deutsche Bundesnetzagentur für ihre Transparenz. Google macht in seinem „Transparency Report“ schon seit Jahren die Anzahl der staatlichen Anfragen pro Land öffentlich. Man kann jedoch bezweifeln, ob die Zahlen das ganze Ausmaß zeigen. So hat Google gerade offiziell bestätigt, dass sein mobiles Betriebssystem Android einen Programmcode enthält, der von der NSA entwickelt wurde, um Hackerangriffe abzuwehren.

Die Rolle der großen Internet-Player bleibt weiterhin interessant. Wahrscheinlich wissen sie über die Aktivitäten der NSA fast ebenso viel wie Snowden, sind aber leichter zu knebeln. Auf der anderen Seite sind weltweit die Geheimdienste auf die Technologie und die Kundendaten der Anbieter von Internet-Services angewiesen.

Google könnte in der weiteren Entwicklung um die Machteinschränkung der Geheimdienste (denn darum geht es) eine Schlüsselrolle einnehmen, wenn das Unternehmen erkennt, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, um seinen Wahlspruch „Don’t be evil“ mal aus der bunten Mitarbeiter-Sofaecke zu holen und gegen die Realität zu halten. Was dann am Ende davon übrig bleibt, das wird zu Googles zukünftiger Reputation. Und das könnte viel sein! Jetzt gerade wirkt es, also ob Yahoo dem Suchmaschinenriesen darin einen Schritt voraus ist. Doch wir wissen, der First Mover kann noch so mutig sein, solange er keinen First Follower für seine Sache begeistern kann, kommt nichts in Bewegung:

  • Würden die sich ernsthaft für ihre Kunden interessieren, sollten sie meiner Meinung nach nicht auf die Gerichte warten. Sie sollen die Dinger einfach veröffentlichen. Das hat nichts mit Legalität zu tun, das wäre vollkommen legitim.

  • Ja, aber sie sollten es eben alle tun. Einer alleine kann von der Regierung noch ruiniert werden (ist auch schon passiert), und dann traut sich eben erst mal keiner mehr. Aber wenn alle mitziehen, gibt es enormen Druck. Ich nutze die Dienste der genannten Firmen ja sehr gerne. Ich glaube, sie sind technisch und politisch sehr wohl in der Lage einer NSA was entgegenzusetzen oder sich ihnen zu verweigern. Vielleicht ist das sogar der einzige Weg.