Schwimmen mit Stil: Eine neue Technik muss her

Dieses Jahr ist mein sportlich bisher faulstes seit zirka fünf Jahren. Damals hatte ich mit dem Laufen angefangen und das trotz der Aufs und Abs ganz gut durchgehalten. Zum letzten Jahreswechsel dann wieder die üblichen Vorsätze und ein guter Start in den Januar, doch der harte Winter und der nasse Sommeranfang hatten mich der Laufstrecken verwiesen. Und die Abstände wurden immer größer. Jetzt gerade kann ich von mir behaupten, dass ich eigentlich gar nicht mehr laufe. Es ist ja auch viel zu heiß. Kompletter Irrsinn, sich durch die schwüle Luft zu quälen, und morgens um halb sechs aufstehen, das muss nicht unbedingt sein.

Da mein Büro seit einigen Wochen ab Mittag ganz ordentlich aufheizt, habe ich mir angewöhnt zum Feierabend ins nahe Freibad in Haar zu fahren und mich dort mit ein paar Bahnen Brustschwimmen abzukühlen. Ab 17 Uhr bezahlt man auch als Erwachsener nur noch 2,50 Euro, Kinder 1,50 Euro. Das mache ich jetzt schon seit drei Wochen (zuletzt wurde ich auf Foursquare bereits nach drei Check-ins dort „Mayor“), meine Begeisterung hat nicht nachgelassen und meine Kinder sind auch dankbar für die vielen Freibadbesuche.

Im Wettkampf ist Brustschwimmen der anspruchsvollste Schwimmstil von allen, man kann unheimlich viel falsch machen dabei, von Timing und Koordination her überhaupt nicht einfach. Nach dem was ich so sehe, wenn ich meine Bahnen ziehe, hat der deutsche Brustschwimmer eigentlich überhaupt keinen festen Stil. Die meisten reproduzieren irgendwie das, was sie in der Schule oder von den Eltern gelernt oder sich mal abgeschaut haben. Ich bin da keine Ausnahme, mit dem Unterschied, dass mein Vater nicht nur mein Schwimmlehrer war, sondern als Grundschullehrer schon einer ganzen Schar von Kindern das Schwimmen beigebracht hatte. Also glaube ich zumindest, dass ich die Technik ganz gut beherrsche, zumindest komme ich schnell voran im Wasser und die 1000 Meter sind für mich keine Qual sondern pures Vergnügen.

Aber besser geht immer. Und leider hat mein Vater mir nur diesen einen Schwimmstil beigebracht. Bis vor kurzem habe ich beim Schwimmbadbesuch noch meine Kinder beaufsichtigen müssen. Da war man froh, wenn am Ende alle heil und gleichmäßig atmend aus dem Wasser kamen, sich ordentlich abduschten und die Haare trockneten. Danach kein Gedanke mehr ans Schwimmen. Mittlerweile brauche ich mich aber an Rutsche und Drei-Meter-Brett nicht mehr mit anzustellen und habe etwas Zeit, über meine Entwicklung als Schwimmer nachzudenken. Und die kennt jetzt gerade nur ein Ziel: Ich möchte das Kraulen erlernen, nicht nur aus einem Youtube-Video, sondern von netten Lehrern, die mich korrigieren und anspornen. Die Schwimmschule München macht nach einer kurzen Netzrecherche den besten Eindruck auf mich. Dort geht es aber erst wieder im September los. Eigentlich zu spät für meine Zwecke, denn dann ist der Sommer auch schon wieder fast vorbei.

Mein Ironblogger-Kollege @heibie umrundet am 15. September den Tegernsee, das ist ein 20-km-Lauf. Zusammen haben wir vor ein paar Jahren schon die 10 km-Strecke des legendären Haarathons (wird scheinbar nicht mehr veranstaltet) mit nur einer Sekunde Unterschied bewältigt (er war schneller). Mittlerweile dürfte ich ernsthafte Probleme haben, mit ihm mitzuhalten. Wie gesagt, das Laufen reizt mich auch gerade gar nicht. Aber wie wäre es … Moment … das geht nicht. Aber man kann es ja mal in den Raum werfen: Wie wäre es, wenn ich am 15. September den Tegernsee in der gleich Zeit durchschwimme, in der @heibie drumherum läuft? Als Zehnjähriger habe ich mal den Ossiacher See durchquert, das war aber ein offizielle Veranstaltung und die Strecke betrug keinen ganzen Kilometer. Schon damals war ich neidisch auf die viel schnelleren Krauler. Der Tegernsee ist 5,7 km lang. In zwei Stunden für mich nicht zu packen, selbst wenn ich das Kraulen bis dahin richtig gut beherrschen sollte. Aber die 2,15 km Breite des Tegernsees sind machbar und auch nicht die total irre Herausforderung. Je nach Wetterlage könnte mir die Wassertemperatur einen Strich durch die Rechnung machen, aber das schauen wir dann.

Jetzt kommen mir aber doch Zweifel. Einfach so reinspringen und waghalsig durch den See schwimmen, so etwas geht in Deutschland ja gar nicht. Nach 500 Metern zieht mich wahrscheinlich die Wasserpolizei raus, wickelt mich in graue Decken und spendiert mir einen Jagertee. Nein, solche Aktionen gehören zu den Aufwärmübungen von Triathleten. Und das ist nicht meine Welt, dann doch lieber Ironblogger. Zehnerkarte und 30 Bahnen Kraulen, das sind meine nächsten Ziele.