Mehr Lesen mit der Reading Challenge. Mein erster Monat.

Warum mehr lesen? Wir lesen doch schon genug: E-Mails, Twitter-Nachrichten, Facebook-Stream, RSS-Feeds. Noch nie wurde so viel gelesen. Für Bücher bleibt da doch echt keine Zeit mehr! Und wer braucht schon Bücher? Steht ja eh alles im Internet.

Klar steht alles im Internet! Und Bücher gibt’s dort auch. Die muss mir niemand per Post zuschicken und im Winter in den Briefkasten stecken. Und auch Nachschub gibt es massig. Bisher hatte ich noch bevor ich ein Buch ausgelesen habe immer schon zehn nächste auf der Liste.

Wozu aber bitte eine Reading Challenge? Wem will ich denn was beweisen? Ein Lesewettbewerb? Das klingt irgendwie nach Mittelstufe.

Es ist eben wie die Sache mit den Vorsätzen, die man dann doch nicht einhält. Alleine schafft man das halt nicht. Man braucht eine Hilfe, die einen daran erinnert, dass man nicht nach zwei Wochen schon schwach wird und das Handtuch wirft.

Bücher, Romane wie Kurzgeschichtenbände ebenso Sachbücher, haben alle eines gemeinsam: Es werden Schauplätze, Ideen und Geschichten auf einem Raum entwickelt, der in den meisten Fällen größer sein muss als nur 140 oder auch 10.000 Zeichen. Um Ideen und Anliegen von Autoren richtig zu verstehen und zu verinnerlichen, dazu ist das Lesen ihrer Bücher immer noch das Beste.

Bücher lesen möchte ich nicht nur im Urlaub, das ist mir schon lange klar. Vor einem Jahr hatte ich dann für mich einfach mal eine Anzahl von Büchern festgelegt, die ich innerhalb eines Jahres lesen wollte. 20 Stück, das sollte ausreichen. Aber es reichte nicht aus. Noch im Laufe meiner ersten Goodreads „Reading Challenge“ legte ich die Latte hoch auf 25 Stück. Und zu Beginn des aktuellen Jahres dachte ich mir, da geht noch mehr, und erhöhte auf 50. Also im Schnitt jede Woche ein Buch. Mein erster Monat zeigt: es ist machbar.

Die Mehrzahl der Bücher heute haben einen Umfang von 280 bis 300 Seiten. Was heißt, dass ich zirka 40-45 Seiten (gedruckt) bzw. 14-15% (e-Reader) am Tag schaffen muss, um mein Soll zu erfüllen. Und das ist nun wirklich machbar, auch für einen Familienvater und Selbständigen. Die Flimmerkiste bleibt jetzt abends natürlich öfter aus und manchmal stelle ich mir sogar den Wecker, um eine halbe Stunde früher aufzustehen und in der Ruhe der Morgenstunden schon ein paar Seiten wegzuschaffen. Klingt fies, ist es auch manchmal, aber es kommt was zusammen.

Also nochmal: warum dafür eine Challenge? Dann liest man halt jeden Tag seine Seiten und fertig! Im Prinzip ist es genau das. Der Prozess, den ich jetzt bei mir etabliert habe, ist weitaus wichtiger als das Ziel. Die Falle lauert eben an dem Tag, an dem man nicht liest. Wenn dieser Tag da ist, dann hat man sofort eine Entschuldigung für die vielen anderen Tage, an denen man kein Buch zur Hand nimmt. Und dann ist bereits der Sand im Getriebe. Das hört sich nach Stress an? Lesen hat doch was mit Genuss zu tun. Wenn ich das Lesen zu sehr zelebriere und davon abhängig mache, ob ich nun genug Ruhe habe oder in einer besonderen Stimmung bin, dann erhöhe ich den Druck erst recht. Denn wenn ich mir schon mal die Zeit nehme, dann soll das Buch ja auch was taugen und außerdem möchte ich nicht gestört werden, Kinder! So gesehen gehe ich das jetzt viel lockerer an, was für mich den Genuss sogar noch erhöht hat.

Überhaupt bin ich bei der Auswahl der Bücher recht großzügig und zähle auch 30-seitige Kindle Singles mit. Das ist wichtig, da ich ja auch mal einen Roman mit 500 Seiten und mehr zur Hand nehmen möchte und dafür dann vielleicht länger brauche. Comics und Hörbücher zählen bei mir allerdings nicht mit (bei @heibie schon). Buch ist dann doch nicht gleich Buch.

Im Januar waren folgende Bücher dran:

Fjodor M. Dostojewski – Die Brüder Karamasow
(Hatte ich bereits vor dem Jahreswechsel begonnen. Hier greift die Regel „geschummelt aber trotzdem gelesen“.)

John Williams – Stoner

E. Lockhart – We Were Liars

Erik Brynjolfsson – The Second Machine Age: Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies

Louis a Del Monte – The Artificial Intelligence Revolution: Will Artificial Intelligence Serve Us or Replace Us?

Die nächsten Bücher werde ich in jeweils eigenen Posts rezensieren. Jede Woche eine Buchrezension zu schreiben, ist aber wieder eine ganz andere Challenge.