Günter Grass: „Wenn jemand 500 Freunde hat, dann hat er keinen.“

Um einen echten Nachruf auf Günter Grass zu formulieren, dazu habe ich mich zu wenig mit ihm beschäftigt. Nicht einmal „Die Blechtrommel“ habe ich gelesen. Hole ich aber nach. Versprochen.

Auch wenn mich das Internet-Bashing dieser Generation, aus der Grass kommt, oft genervt hat, man soll es sich anhören, so lange noch jemand von ihnen dazu was zu sagen hat. Grass wird zu dem Thema nie mehr etwas von sich geben können. Dieses Interview von 2013 ist nicht nur wegen des Satzes aus der Überschrift erwähnenswert. Die wichtige Aussage trifft er in Bezug auf Mobiltelefone, Erreichbarkeit und Überwachung. Siehe auch die aktuelle Diskussion zur  Vorratsdatenspeicherung:

Für mich wäre die Vorstellung, ein Handy dauernd bei mir zu haben, d.h. dauernd erreichbar zu sein und – wie ich mittlerweile weiß – auch dauernd überwacht zu werden, … das ist eine grauenhafte Vorstellung.

Für uns wird sich das Rad nicht mehr zurückdrehen, wir tragen unsere Smartphones so selbstverständlich mit uns herum wie unsere Unterwäsche. Und ohne fehlt uns was. Grauenhaft wird es erst, wenn die Akkuladung unter 10% geht und kein Ladekabel in Sicht ist.

Aber falls wir es mal vergessen sollten: Wer ein Mobiltelefon bei sich trägt, der liefert den Überwachern (wer auch immer das gerade ist) einen konstanten Fluss an Metadaten, der viel aussagekräftiger ist, als das ein oder andere mitgeschnittene Telefonat oder der Einblick ins E-Mail-Postfach. Grass hat das verstanden, weil er in seinem Leben bereits schon einmal in einem Überwachungsstaat gelebt hat. Und er hat auch damit recht: Zu behaupten, man hätte 500 Freunde, so etwas kann einem nur als Jugendlicher nicht peinlich sein.