10 Dinge, die man von Stephen King übers Schreiben lernen kann

Schreibratgeber gibt es so viele wie erfolglose Autoren. Stephen King gehört nicht nur zu den meistgelesenen Schriftstellern der Gegenwart, er hat auch einen der besten Schreibratgeber verfasst: “On Writing: A Memoir of the Craft” (auf deutsch: “Das Leben und das Schreiben”) teilt sich in einen autobiographischen ersten Teil, der kein großes Aufhebens um eine recht durchschnittliche Kindheit macht, aber trotzdem sehr amüsant zu lesen ist, und in den zweiten Teil, in dem King seinen Werkzeugkasten öffnet, in dem man das findet, was man von einem Autor erwartet: Wörter und Geschichten, sorgfältig aufgereiht und gut sortiert.

Hier die 10 Tipps für angehende Autoren, die ich als am wertvollsten erachte und die man nicht unbedingt aus anderen Schreibratgebern kennt.

  1. Talent und was man draus macht

I believe large numbers of people have at least some talent as writers and storytellers, and that those talents can be strengthened and sharpened.

  1. Beim Schreiben bleibt die Türe zu. Später gehört die Geschichte nicht mehr dir. Jeder darf dich kritisieren.

Write with the door closed, rewrite with the door open. Your stuff starts out being just for you, in other words, but then it goes out. Once you know what the story is and get it right – as right as you can, anyway – it belongs to anyone who wants to read it. Or criticize it.

  1. Manchmal hilft einfach nur: Weiterschreiben

… stopping a piece of work just because it’s hard, either emotionally or imaginatively, is a bad idea. Sometimes you have to go on when you don’t feel like it, and sometimes you’re doing good work when it feels like all you’re managing is to shovel shit from a sitting position.

  1. Alkohol hilft beim … Alkoholiker werden

Hemingway and Fitzgerald didn’t drink because they were creative, alienated, or morally weak. They drank because it’s what alkies are wired up to do. Creative people probably do run a greater risk of alcoholism and addiction than those in some other jobs, but so what? We all look pretty much the same when we’re puking in the gutter.

  1. Benutze keine Wörter, die nicht von Dir sind

Put your vocabulary on the top shelf of your toolbox, and don’t make any conscious effort to improve it. Remember that the basic rule of vocabulary is use the first word that comes to your mind, if it is appropriate and colorful.

  1. Das Leben ist ein Lesen und Schreiben

If you want to be a writer, you must do two things above all others: read a lot and write a lot. There’s no way around these two things that I’m aware of, no shortcut.

  1. Wie lange schreibt man an einem Roman?

Still, I believe the first draft of a book – even a long one – should take no more than three months, the length of a season.

  1. Das Ende kommt von selbst

And why worry about the ending anyway? Why be such a control freak? Sooner or later every story comes out somewhere.

  1. Erzähle die Hintergrundstory bald aber mit Stil

I think it’s important to get the back story in as quickly as possible, but it’s also important to do it with some grace. … The most important things to remember about back story are that (a) everyone has a history and (b) most of it isn’t very interesting. Stick to the parts that are, and don’t get carried away with the rest.

  1. Wer liest Deine Geschichten?

Submitting stories without first reading the market is like playing darts in a dark room – you might hit the target every now and then, but you don’t deserve to.

Übrigens erfährt man gleich zu Anfang, dass King die ersten Seiten seines Debütromans “Carrie” erst einmal in den Müll geworfen hat. Und zwar aus Gründen, weshalb so viele angefangene Manuskripte nicht fertig geschrieben werden: Die Story hat ihn nicht berührt und er mochte die Hauptfigur nicht. Seine Frau Tabitha fischte die Seiten aus dem Papierkorb und ermutigte ihn, die Geschichte weiterzuschreiben. Sie wollte wissen, was mit Carrie passiert. Seit dem schreibt King nur noch für seine Frau, sie ist sein “idealer Leser” und bewahrt ihn davor, es jedem Recht machen zu wollen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Dass Stephen King seine Geschichten nach wie vor nicht plottet, bevor er mit dem Schreiben beginnt, merkt man auch seinem letzten Roman “Revival” an. Die Geschichte wird alleine von seinen mit einem warmen Licht ausgeleuchteten Figuren zum Höhepunkt geführt, der unausweichlich scheint, aber auch den eingefleischten Fan überrascht. Nichts daran wirkt berechnend oder ausgeklügelt. Die besten Welten entstehen über die Charaktere, die man dort kennenlernt.