Monthly Archives: Februar 2016

Figure ist das Instagram für Musiker

Seit ca. 1989 benutze ich einen Computer, um Musik zu machen. C64, Amiga, Atari ST, Windows-PC, Macbook. Das ist meine bisherige Timeline. Wobei die Windows-Phase ganz eindeutig die qualvollste war. Da klappte jahrelang weder zuverlässig der MIDI-Part noch konnte man flüssig Audiodateien bearbeiten und hintereinander hängen. Am schönsten aber war es bisher mit dem ASQ-10 von Akai, dem Vorläufer der legendären MPC, die beim HipHop-Sound der 90er den Takt angab und immer noch von vielen Künstlern eingesetzt wird.

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Das bis jetzt letzte Glied in der Kette meiner Produktionsmittel ist das iPad/iPhone. Da hatte ich in den letzten Jahren immer wieder mal die ein oder andere Musik-App angetestet, aber irgendwie der Sache nicht getraut. Nicht unbedingt wegen der Performance der mobilen Geräte als eher wegen dem App-Prinzip, das ich als irgendwie zu hermetisch für einen tauglichen Austausch zwischen den Tools empfand.

Am letzten Wochenende habe ich mich dann während der Digital-Kunstmesse UNPAINTED in München mit Gary Danner vom AV-Performance-Duo Station Rose unterhalten und mir sein Setup näher angeschaut. Mit ihren außerirdischen Elektro-Dub-Performances während der vier Tage in der Kesselhalle hat er mich dann extrem neugierig gemacht, wie man das iPad als vollwertiges Instrument in den Gerätepark einbaut.

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Buch-Review: „Never Let Me Go“ von Kazuo Ishiguro

Never Let Me Go von Kazuo Ishiguro
Solche Bücher gewinnen Preise, aber nicht leicht die Herzen der Leser. Der Autor von „Was vom Tage übrig blieb“ (verfilmt mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) hat mit „Never Let Me Go“ angeblich den wichtigsten Roman der letzten zehn Jahre geschrieben. Ohne Zweifel, die Grundidee, die man nicht verraten darf, weil sonst der Effekt weg ist, hat Charme. Aber wie es so oft ist bei Geschichten, die um einen Effekt herum gebaut sind, so wie die Filme vom M. Night Shyamalan, die Wirkungszeit kann recht kurz sein.

Weshalb oft die Auflösung erst gegen Ende kommt und man mit einer mittelmäßigen Story zu lange hingehalten wird. Nun ist Kazuo Ishiguro ein Autor, der nicht nur gute Ideen hat, sondern auch sein Handwerk beherrscht. “Never Let Me Go” ist also durchaus ein Buch dass man gerne bis zum Ende liest. Doch sicher nicht wegen seiner dystopischen Elemente, auch nicht wegen seiner Auflösung, die man schon in der Mitte des Buches von Weitem winken sieht. Aber wegen dem anrührenden Subtext. Einer, dem sich keiner entziehen vermag, der nur ein Quentchen zur Selbstreflexion fähig ist. Schaut man von außen drauf oder gehört man dazu? Und wie wichtig ist unser Standort für unsere komplette Entwicklung, für den Gang unseres Lebens?

Seine Figuren, die Ishiguro uns über das ganze Buch hinweg in unterschiedlichen Lebenabschnitten zeigt, führt er behutsam an den Rand der Klippe, von der aus man ins schäumende Leben hinabblickt, und wieder zurück in die Straßen, in kleinstädtische Gassen, in denen wir, wenn wir genau hinsehen, unsere Doppelgänger finden. Ishiguro gräbt ziemlich tief in unserer Existenz und fördert Bilder und Stimmungen ans Tageslicht, die man sich einprägt.

Buch-Review: „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald

The Great Gatsby war der letzte Roman von F. Scott Fitzgerald, bevor der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 den Roaring Twenties ein Ende setzte. So gesehen spielt die Geschichte schon fast im Mittelalter. Der gerade gefochtene Krieg, aus dem Gatsby mit vielerleih Orden behängt, zurückkehrt, um sich auf die Suche nach einer Frau zu machen, von der er im Schützengraben liegend dachte, dass er sie liebe, wurde noch mit Bajonetten auf den Gewehren geführt. Die Dekandenz der Zeit, mit der Fitzgerald beruflich wie privat in Berührung kam, fasst er hier in schimmernden Bildern zusammen, für die wohl wenige Autoren neben ihm eine so reiche Sprache gefunden haben.

Genau wie der Soziopath James Bond, so wird auch die Figur Jay Gatsby heute in der öffentlichen Wahrnehmung auf die rauschenden Feste, den Champagner, die maßgeschneiderten Hemden und Anzüge, über die eine Frau wie seine Geliebte Daisy Tränen der Begeisterung vergießen kann, und auf die Posen reduziert. Der einsame Bachelor steht spät abends auf dem gepflegten Grün vor seinem riesigen Anwesen und schaut auf ein Licht auf der anderen Seite der Bucht, wo die Frau seiner Träume von ihrem Ehemann hinter hohen Mauern gefangen gehalten wird. Und Gatsby lockt beide an, indem er alle Lichter in seinem noch größeren Haus entzündet, was ihm neben unzähligen Motten und Flapper auch irgendwann seine Daisy über die Schwelle trägt.

Fitzgerald nimmt sich seine Generation hier richtig vor. Am Morgen der Party bleiben sie alle müde auf den Stufen vor dem Palast liegen, tränen- oder blutverschmiert. “They were careless people, … they smashed up things and creatures and then retreated back into their money or their vast carelessness or whatever it was that kept them together, and let other people clean up the mess they had made.”