Buch-Review: „Never Let Me Go“ von Kazuo Ishiguro

Never Let Me Go von Kazuo Ishiguro
Solche Bücher gewinnen Preise, aber nicht leicht die Herzen der Leser. Der Autor von „Was vom Tage übrig blieb“ (verfilmt mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) hat mit „Never Let Me Go“ angeblich den wichtigsten Roman der letzten zehn Jahre geschrieben. Ohne Zweifel, die Grundidee, die man nicht verraten darf, weil sonst der Effekt weg ist, hat Charme. Aber wie es so oft ist bei Geschichten, die um einen Effekt herum gebaut sind, so wie die Filme vom M. Night Shyamalan, die Wirkungszeit kann recht kurz sein.

Weshalb oft die Auflösung erst gegen Ende kommt und man mit einer mittelmäßigen Story zu lange hingehalten wird. Nun ist Kazuo Ishiguro ein Autor, der nicht nur gute Ideen hat, sondern auch sein Handwerk beherrscht. “Never Let Me Go” ist also durchaus ein Buch dass man gerne bis zum Ende liest. Doch sicher nicht wegen seiner dystopischen Elemente, auch nicht wegen seiner Auflösung, die man schon in der Mitte des Buches von Weitem winken sieht. Aber wegen dem anrührenden Subtext. Einer, dem sich keiner entziehen vermag, der nur ein Quentchen zur Selbstreflexion fähig ist. Schaut man von außen drauf oder gehört man dazu? Und wie wichtig ist unser Standort für unsere komplette Entwicklung, für den Gang unseres Lebens?

Seine Figuren, die Ishiguro uns über das ganze Buch hinweg in unterschiedlichen Lebenabschnitten zeigt, führt er behutsam an den Rand der Klippe, von der aus man ins schäumende Leben hinabblickt, und wieder zurück in die Straßen, in kleinstädtische Gassen, in denen wir, wenn wir genau hinsehen, unsere Doppelgänger finden. Ishiguro gräbt ziemlich tief in unserer Existenz und fördert Bilder und Stimmungen ans Tageslicht, die man sich einprägt.