Ausgelesen: „End of Watch“ von Stephen King

Diesen dritten Teil der sogenannten „Bill-Hodges-Trilogy“ habe ich vorab bestellt und pünktlich zum Erscheinungstermin geliefert bekommen. Es gibt einige Autoren, bei denen eine Art Abo für mich durchaus Sinn machen würde. Einen neuen Roman von Juli Zeh, Jonathan Franzen, Heinz Strunk oder eben Stephen King, den muss ich nicht in der Buchhandlung durchblättern, den Klappentext lesen und überlegen, ob ich ihn kaufen möchte. Nein, liebe Verlage, Bücher von diesen Leuten könnt ihr mir ungefragt am Erscheinungstermin direkt nach Hause liefern. Gar nicht mal als Rezensionsexemplar, ich zahle auch gerne. Leider bietet bisher noch niemand so ein Autoren-Abo an, schade. Wie gesagt, ich wäre dabei.

In diesem Fall habe ich die deutsche Übersetzung aber nicht abwarten können, auch wenn die von King oft gar nicht mal so schlecht sind. Die beiden diesem vorausgehenden Teile der Reihe, „Mr. Mercedes“ und „Finderlohn“ („Finders Keepers“) hatten überhaupt kein übernatürliches Element in ihren Plots. Und das sind oft Kings beste Geschichten: „Die Leiche“ („The Body“, verfilmt als „Stand by me“) und „Die Verurteilten“ („The Shawshank Redemption“) sind zwei Beispiele, die sicher jeder kennt.

Bei „End of Watch“ aber kann er es wieder nicht lassen: Brady Hartsfield, der Villian (sorry, „Bösewicht“ ist ein Wort, das ich nicht mehr schreiben kann), der schon im ersten der drei Romane dem ausrangierten Cop Bill Kermit Hodges den Ruhestand versaut, versucht einen zweiten Anlauf mit seinen neu entdeckten telekinetischen Fähigkeiten und treibt über eine Vintage-Spielkonsole labile Menschen in den Selbstmord. Klingt doch schon mal nicht schlecht.

Stephen King ist kein literarischer Chirurg mit sensiblen Fingerspitzen, bei dem man jedes Wort genießen kann. Er hat aber dafür eine sehr einfühlsame und respektvolle Art, aus Menschen mit Schwächen und Fehlern (und alle seine Figuren haben davon einen Sack voll mit sich herumzutragen) Helden zu machen, ganz ohne dass sie es selbst bemerken oder überhaupt wollen. Jemand muss den Job halt erledigen, sonst sind wir alle hin.

Was mich freut: Für jemanden in seinem Alter (Stephen King ist 1947 geboren) hat er einen verdammt guten Draht zu allen möglichen Altersgruppen. Nichts wirkt irgendwie peinlich oder daneben, wenn er Jugendliche sprechen lässt. Das scheint mir seine wichtigste Qualität zu sein. Dass er uns Angst einjagt, OK, auch das kann er. Hier vielleicht nicht ganz so gut, aber „End Of Watch“ läuft auch eher unter „Hardboiled detective“, wer damit was anfangen kann.

„End of Watch“ erscheint in Deutschland am 12. September 2016 unter dem Titel „Mind Control: Roman (Bill-Hodges-Serie 3)„. Ich finde, vorbestellen lohnt sich hier. Nur eine Strandlektüre ist es dann leider nicht mehr.