Ausgelesen: „Von Männern, die keine Frauen haben“ von Haruki Murakami

Wenn Männer keine Frauen haben, was passiert dann mit ihnen? Wenn sich jemand wie Haruki Murakami mit einer solchen Frage beschäftig, dann kommt etwas ganz Besonderes dabei heraus. Man wundert sich immer wieder, wie er es schafft, mit dieser glatten, unaufgeregten Sprache, die so gut davon erzählt, wie sich Leute etwas zum Essen zubereiten oder ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen, wie er von dort aus mit einem Male die Oberfläche durchstößt. Man erinnert sich nicht mehr, wann die Geschichte kippt und Dinge aus seinen Charakteren herausholt, die irritieren, erschaudern lassen und zu Tränen rühren können.

Noch Tage später steht man in der Küche und auf einmal hat man einen Murakami-Moment und die Geschichte, die man vor Kurzem gelesen hat, schlägt sich nochmal vor einem auf, diesmal von einer anderen Seite. In seinen Kurzgeschichten ist Murakami ungewöhnlich stark. In diesem Band geht es wirklich um Männer, deren frauenloses Dasein etwas Problematisches hat, im schlimmsten Fall etwas heraufbeschwört, etwas Dunkles, Unheilvolles, mit dem sie aber irgendwie leben müssen.

So wie moderne Männer eben sind, auch Murakamis Männer verpassen den Moment, in dem es gut wäre, sich zu binden und sich zu bekennen zu einem Menschen, von dem man sehr gut weiß, dass man so jemanden nicht alle Tage trifft. Aber es ist nicht mehr zu ändern, also lebt man im Dunkel weiter und stirbt irgendwann. Das haben wir nicht im Griff. Bei unseren Handlungen sind Kräfte am Werk, über die wir keine Macht haben, so sehr wir uns auch das Gegenteil einreden.

Dass Murakamis Schreibe irgendwie nicht vom Fleck kommt, das nervt die einen und die anderen lieben gerade das. Ich bin immer wieder überrascht, dass man seine Bücher tatsächlich zuende lesen kann und das auch noch in einem Tempo eines Süchtigen.

Haruki Murakami: „Von Männern, die keine Frauen haben
DuMont, 2014
254 Seiten