Category Archives: Lesen

Veröffentlicht: „Das Katzenschiff“

Ich lebe schon lange vom Schreiben. Ich bin freier Journalist und PR-Berater (zugegeben, manchmal ein ungleiches Paar) und schreibe Reportagen und Beiträge für Magazine oder verfasse Pressemitteilungen, Blogbeiträge und Fachartikel für Unternehmen. Ich mache das mit unterschiedlichen Schwerpunkten bereits seit mehr als 25 Jahren und es ist eine Arbeit, die mir Spaß macht und mir meistens leicht von der Hand geht.

Also habe ich zuletzt noch ein Scheit oben drauf gelegt und schreibe jetzt Kurzgeschichten, die ich regelmäßig zu Schreibwettbewerben einreiche. Gleich beim zweiten Mal hat ein kleiner, wilder Verlag aus Verl bei Gütersloh eine Geschichte von mir veröffentlicht: Der Chiliverlag hatte sogar auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig einen Stand, den ich selbstverständlich besucht habe.

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„The Fall of the House of Usher“ – Zwei Kurzfilme aus zwei Jahrhunderten

Vor ein paar Jahren erschein bei GKIDS eine Sammlung von insgesamt fünf Animationsfilmen zu Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. Ich habe nicht herausfinden können, ob und wo man die Filme beziehen kann, aber es gibt erstens einen Trailer dazu (unten) und zweitens eine der Geschichten, die von allen am besten aussieht, auf YouTube in voller Länge: „The Fall of the House of Usher“, gesprochen vom unvergleichlichen Christopher Lee.

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Ausgelesen: „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk

Das erste Buch, das mir richtig aufs Gemüt schlug, war Aufzeichnungen eines Dirty Old Man
von Charles Bukowski. Da war ich achtzehn Jahre alt. Solche Sätze hatte ich vorher noch nie gelesen. Dass Menschen ein solches Leben führen können, unmöglich! Als ich mich erholt hatte, sog ich seine Geschichten in mich auf als wäre ich am Verdursten. Bukowski hat mir gezeigt, dass man mit jedem Menschen mitfühlen soll, egal welches Schicksal dahinter steckt. Er war der dreckige Gegenpol zum kleinbürgerlichen “Selbst dran Schuld”. Es war schön, zu wissen, dass es so jemanden gab, der dazu auch noch Erfolg mit seinen Geschichten hatte. Nur wenige Autoren und Bücher haben mich danach an die Kotzgrenze gebracht: Bret Easton Ellis mit “American Psycho”, ohne Frage. Zuletzt Cormac McCarthys “The Road”. Und jetzt eben “Der goldene Handschuh” von Heinz Strunk. Da steht er in einer schönen Reihe, der Heinzer. Das hat er sich verdient.

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Buch-Review: „Never Let Me Go“ von Kazuo Ishiguro

Never Let Me Go von Kazuo Ishiguro
Solche Bücher gewinnen Preise, aber nicht leicht die Herzen der Leser. Der Autor von „Was vom Tage übrig blieb“ (verfilmt mit Anthony Hopkins und Emma Thompson) hat mit „Never Let Me Go“ angeblich den wichtigsten Roman der letzten zehn Jahre geschrieben. Ohne Zweifel, die Grundidee, die man nicht verraten darf, weil sonst der Effekt weg ist, hat Charme. Aber wie es so oft ist bei Geschichten, die um einen Effekt herum gebaut sind, so wie die Filme vom M. Night Shyamalan, die Wirkungszeit kann recht kurz sein.

Weshalb oft die Auflösung erst gegen Ende kommt und man mit einer mittelmäßigen Story zu lange hingehalten wird. Nun ist Kazuo Ishiguro ein Autor, der nicht nur gute Ideen hat, sondern auch sein Handwerk beherrscht. “Never Let Me Go” ist also durchaus ein Buch dass man gerne bis zum Ende liest. Doch sicher nicht wegen seiner dystopischen Elemente, auch nicht wegen seiner Auflösung, die man schon in der Mitte des Buches von Weitem winken sieht. Aber wegen dem anrührenden Subtext. Einer, dem sich keiner entziehen vermag, der nur ein Quentchen zur Selbstreflexion fähig ist. Schaut man von außen drauf oder gehört man dazu? Und wie wichtig ist unser Standort für unsere komplette Entwicklung, für den Gang unseres Lebens?

Seine Figuren, die Ishiguro uns über das ganze Buch hinweg in unterschiedlichen Lebenabschnitten zeigt, führt er behutsam an den Rand der Klippe, von der aus man ins schäumende Leben hinabblickt, und wieder zurück in die Straßen, in kleinstädtische Gassen, in denen wir, wenn wir genau hinsehen, unsere Doppelgänger finden. Ishiguro gräbt ziemlich tief in unserer Existenz und fördert Bilder und Stimmungen ans Tageslicht, die man sich einprägt.

Buch-Review: „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald

The Great Gatsby war der letzte Roman von F. Scott Fitzgerald, bevor der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 den Roaring Twenties ein Ende setzte. So gesehen spielt die Geschichte schon fast im Mittelalter. Der gerade gefochtene Krieg, aus dem Gatsby mit vielerleih Orden behängt, zurückkehrt, um sich auf die Suche nach einer Frau zu machen, von der er im Schützengraben liegend dachte, dass er sie liebe, wurde noch mit Bajonetten auf den Gewehren geführt. Die Dekandenz der Zeit, mit der Fitzgerald beruflich wie privat in Berührung kam, fasst er hier in schimmernden Bildern zusammen, für die wohl wenige Autoren neben ihm eine so reiche Sprache gefunden haben.

Genau wie der Soziopath James Bond, so wird auch die Figur Jay Gatsby heute in der öffentlichen Wahrnehmung auf die rauschenden Feste, den Champagner, die maßgeschneiderten Hemden und Anzüge, über die eine Frau wie seine Geliebte Daisy Tränen der Begeisterung vergießen kann, und auf die Posen reduziert. Der einsame Bachelor steht spät abends auf dem gepflegten Grün vor seinem riesigen Anwesen und schaut auf ein Licht auf der anderen Seite der Bucht, wo die Frau seiner Träume von ihrem Ehemann hinter hohen Mauern gefangen gehalten wird. Und Gatsby lockt beide an, indem er alle Lichter in seinem noch größeren Haus entzündet, was ihm neben unzähligen Motten und Flapper auch irgendwann seine Daisy über die Schwelle trägt.

Fitzgerald nimmt sich seine Generation hier richtig vor. Am Morgen der Party bleiben sie alle müde auf den Stufen vor dem Palast liegen, tränen- oder blutverschmiert. “They were careless people, … they smashed up things and creatures and then retreated back into their money or their vast carelessness or whatever it was that kept them together, and let other people clean up the mess they had made.”