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Umberto Eco fordert ausführliche Internet-Kritik in Tageszeitungen

Umberto Eco ist mittlerweile 83 Jahre alt und hat sich zum Glück kürzlich den Schnauzer abrasiert. Jetzt sieht er wieder aus wie der Mann, der erst als knapp Fünfzigjähriger seinen Welterfolg mit dem Roman „Der Name der Rose“ hatte. Als 15-Jähriger bekam ich das Buch in die Finger verbrachte so eine Woche in einer korrupten Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin im November des Jahres 1327. Obwohl mich seine Bücher nach „Das Foucaultsche Pendel“ nicht mehr allzu sehr gereizt haben, auf meiner Leseliste stehen sie noch. Seine zahlreichen Essays sind genau das Richtige für zwischendurch, ein berühmter lobt den Stil von Ian Fleming und analysiert den Aufbau einer typischen James-Bond-Story.

Schon damals habe ich mir seinen Spruch gemerkt, den er in diesem Clip noch einmal für alle wiederholt, die sich an einer Schriftsteller-Karriere versuchen:

“You’re 10 per cent inspiration and 90 per cent perspiration.”

Und weiter: Halte Dein Ego in Schach, stecke dir realistische Ziele. Wenn Du gleich nach dem Nobelpreis schielst, dann machst Du es Dir unnötig schwer und kannst Deinen Ansprüchen nie gerecht werden. Das frustriert und lässt Dich nicht voran kommen.

Sehr ambitioniert – und auch klug – war sein jüngster Vorschlag, die Zeitungen sollten endlich aufhören, einen Tag später Nachrichten zu drucken, die im Netz schon längst aus der Timeline gerutscht sind. Das Internet wird immer näher an den News sein. Stattdessen sollten die Zeitungen in die Offensive gehen und das Internet rezensieren. Täglich zwei Seiten Internetkritik, das würde er gerne in den Zeitungen sehen.

Er hatte in diesem Zusammenhang vom „Schwachsinn des Internets“ gesprochen. So etwas greifen Zeitungen gerne auf, weil sie dem Internet andauernd Schwachsinn bescheinigen. Doch das alleine reicht Eco eben nicht aus. Er fordert die Heere von Analysten, Kritiker und Feuilletonisten dazu auf, ihren Job zu machen und weiterhin das Kluge vom Schwachsinn zu trennen.

Schwachsinn kann man nicht vertreiben, aber ausblenden

Ich denke, der Vorschlag ergibt Sinn. Journalisten sind hervorragende Filter. Im Internet finden sich neben viel Unnötigem nicht wenige Schätze, die gehoben werden möchten. Doch dazu reicht eine Google-Suche meistens nicht aus. Eine ordentliche Recherche im Internet schaut in allen wichtigen Kanälen nach und nutzt effiziente Monitoringsysteme. Wer heute als Journalist Twitter nicht bedienen kann, verzichtet von vorne herein auf ein mächtiges Tool, um für seine Leser Licht ins Dunkel zu bringen. Selbst Umberto Eco, der sich in fast allen seinen Werken und Essays für das gedruckte Wort stark gemacht hat, weiß das. Eine große Bibliothek braucht keine blinden Bibliothekare, denen es lieber ist, wenn die neuen Gedanken, die ihre Position unter Umständen gefährden, im Verborgenen bleiben.

Die Nachricht von welt.de, auf die ich mich hier beziehe, fasst Ecos Vorschlag schön zusammen, verzichtet aber nicht auf eine Überschrift, die sich eher für den Scheiterhaufen ausspricht als für die Aufklärung: „Wie man den Schwachsinn aus dem Internet verbannt.“ Als ob man Schwachsinn von irgendeinem Ort vertreiben könnte wie eine streunende, schwarze Katze.

Eco ist davon überzeugt, dass täglich zwei Seiten Internet-Kritik in der Zeitung neue Lesergruppen für die Verlage öffnet. Internet-affine Leser, die auch mal einen Blick in die Zeitung werfen (oder auf online veröffentlichte Zeitungsberichte auf den Verlagsseiten), könnte man auf diese Weise stärker binden.

Watchblogs wie der von Stefan Niggemeier oder der Bildblog praktizieren diese Art Kritik bereits anders herum und werden von den Printmedien wiederum nicht selten zitiert. Der Missing Link bei der ganzen Sache ist nur noch der Printjournalist, der für seine Leser die Regale des Internet zugänglich macht. Und das nicht nur in einem halben Einspalter auf der vorletzten Seite des Feuilletons, wo lustige Webseiten und Apps vorgestellt werden, sondern in einem eigenen Ressort, das einen hohen aufklärerischen Anspruch und eine eigene Sprache hat.

Ein 1200 Jahre altes Telefon

Es besteht nur aus einem Bindfaden und zwei Kürbissen und ist das älteste bekannte Schnurtelefon. Jeder hat so etwas ähnliches als Kind mal gebaut und war erstaunt, wie gut man Sprache über einen Faden von einem in den anderen Joghurtbecher transportieren kann. Bereits zur Zeit der Chimú-Kultur gab es in Peru einen hellen Kopf, der sich das zunutze machte, wenn nicht sogar auf die Idee kam, daraus ein Kommunikationsmittel herzustellen. Das Smithsonian in USA ist im Besitz dieses ältesten bekannten Telefons.

 

Die echten Webcharts

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Wenn schon im Web so viel über Musik und ihre Zukunft diskutiert wird, dann sollte man auch gleich mal die Fühler ganz weit ausbreiten und schauen, welche Künstler denn dort am höchsten im Kurs stehen. So dachten sich das die Macher von We Are Hunted und präsentieren deshalb seit neuem die täglichen Top 99 Songs, die in Social Networks, Foren, Musikblogs, Torrents, P2P Networks und über Twitter am meisten gespielt, geladen und besprochen werden.

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Post von der GEMA

Seit zwei Tagen sperrt YouTube in Deutschland sukzessive Millionen Musikvideos. Das Google-Tochterunternehmen kann sich mit der Verwertungsgesellschaft nicht über einen angemessenen Lizenzpreis einigen. Betroffen sind Videos der Plattenfirmen EMI, Sony und Universal sowie weitere Independent Labels. In Großbritannien reagierte YouTube vor kurzem genauso.

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Im Land der Trompetenwürmer: Die GEMA-Generaldirektion in München (Foto: GEMA)

Den gerade ausgelaufenen Vertrag mit der GEMA (“Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte”) wollte YouTube nicht mehr verlängern. Der Vertrag erlaubte dem Videoportal, Filme mit der Musik der o.g. Firmen spielen zu dürfen. Doch jetzt hat man sich bei der Verwertungsgesellschaft einen Preis von 12 Cent pro gestreamten Titel überlegt. Laut Google-Sprecher Hennig Dorstewitz ist das “Lichtjahre von marktfähigen Preisen entfernt” (FAZ), angeblich 50-mal so hoch wie die Forderung der englischen Kollegen von der PRS.

Bei Deutschlands großer Musikervertretung hat man sich also lange den Kopf darüber zerbrochen, nach welchem Satz man einen Videoabruf auf YouTube berechnen könnte. Was dabei rausgekommen ist geht etwas an der Wirklichkeit vorbei. Denn die Wirklichkeit im Netz heißt Google. So gesehen ist die altehrwürdige GEMA so etwas wie ein verbeamteter David, wenn auch ein nicht mehr ganz so junger, der den ungestümen Datenriesen (oder zumindest seine Tochter) herausfordert und verärgert. Und das auch noch zu einem Zeitpunkt, wo Firmen wie Youtube, Twitter, Facebook und Myspace ja „noch gar kein Geld verdienen“.

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Zwitschern wird zum Rauschen

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HotHotHeat twittern aus dem Studio. Bilder sagen wie immer mehr als Worte.

Wer heute twittert, weiß eigentlich selbst noch nicht, warum er das macht. Man verschickt Kurznachrichten bis zu 140 Zeichen an sogenannte „Followers“ und folgt anderen, um sich deren Updates anzuschauen. Obama twittert und hat dadurch vielleicht sogar seine Wahl gewonnen, Musiker dagegen sind meistens faule Twitterer, wie diese liebevoll zusammen gestellte Liste zeigt.

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Schwellenangst ade! Die Berliner Philharmoniker streamen ab Januar 2009in hoher Qualität

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Die Berliner Philharmoniker werden am 6. Januar zum ersten Mal ein Konzert in voller Länge live im Internet übertragen und von da an mehr als 30 Konzerte pro Saison. In der neuen Digital Concert Hall kann man ab jetzt schon Karten kaufen, Einzeltickets kosten knapp 10 Euro, ein Saisonticket 149 Euro. Damit gehen die Berliner Philharmoniker als erstes Orchester weltweit den konsequentesten Schritt ins Netz und geben damit auch der Musikstudentin in New York die Möglichkeit, bei einer Aufführung live dabei zu sein.

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Musikroboter wollen wissen, was wir hören

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Seit meiner Zeit als Plattenverkaüfer und DJ weiß ich, wie dankbar Mitmenschen sein können, wenn man ihren Musikgeschmack versteht und treffsichere Empfehlungen geben kann. Das wird heute vollautomatisch auf Webseiten und mit Software versucht: Amazon strengt sich schon lange an, einem ähnliche Produkte nahe zu bringen, Apple vergleicht seit September mit Genius Daten von iTunes-Benutzern miteinander, um schlauer zu werden. Viel Musik, die wir mögen könnten, liegt unbemerkt in Regalen und auf Festplatten, seit es das fürsorgliche Personal hinter der Theke nicht mehr gibt. Für die Entwickler der perfekten Musikempfehlungs-Anwendung ist deshalb noch viel Gold im Berg. Signal Patterns bietet eine Art Persönlichkeitstest hinsichtlich des Musikgeschmacks an. Ich lasse mich befragen …

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