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Ausgelesen: „Von Männern, die keine Frauen haben“ von Haruki Murakami

Wenn Männer keine Frauen haben, was passiert dann mit ihnen? Wenn sich jemand wie Haruki Murakami mit einer solchen Frage beschäftig, dann kommt etwas ganz Besonderes dabei heraus. Man wundert sich immer wieder, wie er es schafft, mit dieser glatten, unaufgeregten Sprache, die so gut davon erzählt, wie sich Leute etwas zum Essen zubereiten oder ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen, wie er von dort aus mit einem Male die Oberfläche durchstößt. Man erinnert sich nicht mehr, wann die Geschichte kippt und Dinge aus seinen Charakteren herausholt, die irritieren, erschaudern lassen und zu Tränen rühren können.

Noch Tage später steht man in der Küche und auf einmal hat man einen Murakami-Moment und die Geschichte, die man vor Kurzem gelesen hat, schlägt sich nochmal vor einem auf, diesmal von einer anderen Seite. In seinen Kurzgeschichten ist Murakami ungewöhnlich stark. In diesem Band geht es wirklich um Männer, deren frauenloses Dasein etwas Problematisches hat, im schlimmsten Fall etwas heraufbeschwört, etwas Dunkles, Unheilvolles, mit dem sie aber irgendwie leben müssen.

So wie moderne Männer eben sind, auch Murakamis Männer verpassen den Moment, in dem es gut wäre, sich zu binden und sich zu bekennen zu einem Menschen, von dem man sehr gut weiß, dass man so jemanden nicht alle Tage trifft. Aber es ist nicht mehr zu ändern, also lebt man im Dunkel weiter und stirbt irgendwann. Das haben wir nicht im Griff. Bei unseren Handlungen sind Kräfte am Werk, über die wir keine Macht haben, so sehr wir uns auch das Gegenteil einreden.

Dass Murakamis Schreibe irgendwie nicht vom Fleck kommt, das nervt die einen und die anderen lieben gerade das. Ich bin immer wieder überrascht, dass man seine Bücher tatsächlich zuende lesen kann und das auch noch in einem Tempo eines Süchtigen.

Haruki Murakami: „Von Männern, die keine Frauen haben
DuMont, 2014
254 Seiten

Ausgelesen: „Shining“ von Stephen King

Man denkt man kennt dieses Buch, wenn man Kubricks Verfilmung gesehen hat. Selbst oder gerade ein Film wie „Shining“ wird seiner Vorlage nur in Teilen gerecht. Darüber wurde viel geschrieben und der Vergleich langweilt mittlerweile. Mir war nur irgendwann aufgefallen, dass ich Stephen Kings Roman noch nie gelesen hatte. Auf dem örtlichen Wertstoffhof fiel mir eine Bücherbundausgabe in die Hände, den lächerlichen Schutzumschlag entsorgte ich noch vor Ort. Aber der Inhalt war ja derselbe, den man als die hier erhältliche deutsche Übersetzung von Harro Christensen kennt, einer, der auch danach noch ein paar Romane von King übersetzt hat, unter anderem „The Stand“.

Wahrscheinlich ist „Shining“ das Buch von King, das sich mit den meisten Superlativen schmücken kann. Der Horror hier ist extrem beunruhigend und Kings Schreibe auf ihrer ersten Höhe angelangt. Es gibt nicht Wenige, die es für sein bestes Buch halten und mit diesen Leuten möchte ich nicht streiten. Mit dem Overlook Hotel hat er eine Kulisse geschaffen, die nach ihm viele kopiert haben. Als Spukhaus hat es alles was es braucht: eine Meute Geister, die allabendlich feiern bis zum Morgengrauen, lebendige Heckentiere, die vor dem Gebäude darauf achten, dass niemand entkommt und die berühmte tote Frau in der Badewanne. Man muss die Dame nur erwähnen und der Adrenalinspiegel steigt an.

„Shining“ ist aber gleichzeitig ein Buch, das es einem leicht macht, einzutreten. Wer Kings Horror mag, der fühlt sich dort so wohl wie in kaum einem anderen seiner Bücher. Das liegt an einem sehr menschlichen Jack Torrance, der sich von Anfang an in das Spukhotel verliebt und auf Gegenliebe trifft. Mit Jacks Alkoholproblem geht King enorm empathisch um und macht den armen Mann nicht zum Verrückten, sondern zu einem Kranken Menschen, den seine Familie hilflos ins Dunkle abgleiten sieht.
Dreißig Jahre später schrieb King mit „Doctor Sleep“ eine Fortsetzung, der ich allerdings keine Zeile zu viel widmen möchte. Aber auch hier strickt er am Verständnis für den Alkoholkranken weiter. Er weiß eben wovon er spricht. „Shining“ hat so viele Ebenen wie das Overlook-Hotel Zimmer. Man muss sie nicht alle gesehen haben, aber manche lassen einen nicht mehr raus.

Buch-Review: „The Martian“ von Andy Weir

The MartianThe Martian by Andy Weir

My rating: 5 of 5 stars

Die ersten zirka hundert Seiten kamen mir vor wie ein gut geschriebenes Botaniker-Blog, womit ich allerdings nicht viel anfangen konnte. Aber als erfahrener Leser weiß man, dass man auch mal durchhalten muss, genau wie Mark Watney selbst, der ja einen ziemlich aussichtslosen Kampf führt. Wie erleichtert war ich, als die Geschichte zur Erde geschwenkt ist, um die Handlung dort aufzunehmen.

Bret Easton Ellis hat zurecht kritisiert, dass Mark eigentlich kein Leben hat. Keine Freundin, keine Geschichte, keine Sehnsüchte, nur seine Eltern, die zusammen um ihn auf der Erde bangen. Wobei man sagen muss, Ellis hat mit Patrick Bateman selbst eine Figur erfunden, die noch viel weniger von sich preisgibt.

The Martian“ ist ein Buch, das gut in unsere Zeit passt. Ein Wissenschafts-Fanbook für ein großes Publikum. Das war überfällig, finde ich. Ein Selfpublisher-Märchen dazu. Und auch noch ein wahres. Andy Weir kann zurecht seinen Erfolg genießen, der Kinofilm ist ebenfalls ziemlich gelungen. Die hochunterhaltsame Vorlage hat dabei geholfen.

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Buch-Review: „Finderlohn“ von Stephen King

Finderlohn (Bill Hodges Trilogy, #2)Finderlohn by Stephen King

My rating: 3 von 5 stars

Im Rahmen meiner Reading Challenge habe ich in diesem Jahr ganze sieben Bücher von Stephen King gelesen. Auch weil ich ihn vor über zwanzig Jahren aus den Augen verloren habe. „Finderlohn“ war darunter nicht das beste, aber sehr kurzweilig zu lesen, andere würden es „spannend“ nennen. Aber das trifft es für mich nicht ganz. So richtig überraschen konnte mich King hier nicht.

Die Story nimmt schnell ordentlich an Fahrt auf, so dass es schon aus physikalischen Gründen fast unmöglich ist, auszusteigen. Das sind die Sachen, die King einfach drauf hat. Dazu treten in seinen Geschichten immer Typen auf, bei deren Untergang man einfach von Anfang bis Ende Zeuge sein möchte.

Etwas fad an „Finderlohn“ genau wie bereits bei „Mr. Mercedes“ ist das Ermittlerteam. Jedes Wort, das King ihnen in den Mund legt, hört sich an wie aus einer Vorabendserie aus den 80ern. Irgendwann hatte ich sogar eine Synchronstimme aus den Drei-Fragezeichen-Hörspielen im Kopf. Das entsprach nicht ganz dem was ich erwartete hatte, aber unangenehm war es nicht.

Am Ende von „Finderlohn“ kriegt King noch rechtzeitig die Ausfahrt in Richtung Horrorland. Dort wird dann hoffentlich der letzte Teil der Bill Hodges-Trilogie spielen.

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