Tag Archives: Stephen King

Ausgelesen: „Von Beruf Schriftsteller“ von Haruki Murakami

“Menschen mit einem raschen Verstand oder überdurchschnittlicher Intelligenz wenden sich weniger häufig der Literatur zu. Denn das Schreiben von Romanen – wie das Erzählen von Geschichten überhaupt – findet im gemächlichen Tempo, sozusagen in einem niedrigen Gang statt.“

Damit legt Haruki Murakami in seiner Beinahe-Autobiographie “Von Beruf Schriftsteller” gleich zu Beginn die Latte niedrig. Doch danach geht es steil nach oben für alle, die sich Murakami zum Vorbild oder als Inspiration nehmen: “Einen Text verfassen kann sein wie ein Musikstück spielen” (oder zu schreiben). Seine Suche nach einer einfachen Sprache, seine Abneigung gegenüber einer Schreibe, die zu sehr auf Witz und Effekt zielt als auf die Erzählung, auch das sehr sympathisch.

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Stephen King über Kindheit und um die Ecke denken

Stephen King ist nicht für seine Kinderbücher bekannt. Doch in seinen Geschichten tauchen nicht selten sehr junge Figuren auf (z.B. „Es“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Shining“). Er gehört zu den Schriftstellern, die plausibel aus der Sicht eines Kindes oder Jugendlichen schreiben können und nutzt das nicht selten als Zentrum und Motor seiner Geschichten.

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Ausgelesen: „Shining“ von Stephen King

Man denkt man kennt dieses Buch, wenn man Kubricks Verfilmung gesehen hat. Selbst oder gerade ein Film wie „Shining“ wird seiner Vorlage nur in Teilen gerecht. Darüber wurde viel geschrieben und der Vergleich langweilt mittlerweile. Mir war nur irgendwann aufgefallen, dass ich Stephen Kings Roman noch nie gelesen hatte. Auf dem örtlichen Wertstoffhof fiel mir eine Bücherbundausgabe in die Hände, den lächerlichen Schutzumschlag entsorgte ich noch vor Ort. Aber der Inhalt war ja derselbe, den man als die hier erhältliche deutsche Übersetzung von Harro Christensen kennt, einer, der auch danach noch ein paar Romane von King übersetzt hat, unter anderem „The Stand“.

Wahrscheinlich ist „Shining“ das Buch von King, das sich mit den meisten Superlativen schmücken kann. Der Horror hier ist extrem beunruhigend und Kings Schreibe auf ihrer ersten Höhe angelangt. Es gibt nicht Wenige, die es für sein bestes Buch halten und mit diesen Leuten möchte ich nicht streiten. Mit dem Overlook Hotel hat er eine Kulisse geschaffen, die nach ihm viele kopiert haben. Als Spukhaus hat es alles was es braucht: eine Meute Geister, die allabendlich feiern bis zum Morgengrauen, lebendige Heckentiere, die vor dem Gebäude darauf achten, dass niemand entkommt und die berühmte tote Frau in der Badewanne. Man muss die Dame nur erwähnen und der Adrenalinspiegel steigt an.

„Shining“ ist aber gleichzeitig ein Buch, das es einem leicht macht, einzutreten. Wer Kings Horror mag, der fühlt sich dort so wohl wie in kaum einem anderen seiner Bücher. Das liegt an einem sehr menschlichen Jack Torrance, der sich von Anfang an in das Spukhotel verliebt und auf Gegenliebe trifft. Mit Jacks Alkoholproblem geht King enorm empathisch um und macht den armen Mann nicht zum Verrückten, sondern zu einem Kranken Menschen, den seine Familie hilflos ins Dunkle abgleiten sieht.
Dreißig Jahre später schrieb King mit „Doctor Sleep“ eine Fortsetzung, der ich allerdings keine Zeile zu viel widmen möchte. Aber auch hier strickt er am Verständnis für den Alkoholkranken weiter. Er weiß eben wovon er spricht. „Shining“ hat so viele Ebenen wie das Overlook-Hotel Zimmer. Man muss sie nicht alle gesehen haben, aber manche lassen einen nicht mehr raus.

Stranger Things: The School of Horror

Erst seit 10 Tagen auf Netflix und schon auf Platz 1 der beliebtesten TV-Serien bei IMDB: Die erste Staffel von „Stranger Things„.

Ein paar Tage nach Release habe ich die Familie zur ersten Session zusammenzutrommelt. Kurzer FSK-Check: 12 Jahre. Perfekt! Welcome to the Eighties School of Horror!

„Stranger Things“ ist eine liebevolle und rasante Fahrt durch die Achtziger, wie man sie als jemand wahrgenommen hat, der mit dreizehn Jahren die Bücher von Stephen King gerne gelesen hat und jeden Film anschauen musste, bei dem auf dem Plakat irgendwo der Name Steven Spielberg geschrieben stand.

Es gibt hier unzählige Anspielungen auf Kinofilme, Musik, Serien und Spiele, die zu Beginn der Achtziger den Ton angaben, wenn es um Mystery, Fantasy und Horror ging. In jeder Folge finde ich im Minutentakt Ostereier, auf die ich ähnlich reagiere wie meine Töchter, wenn ein außergewöhnliches Pokémon in unserer Straße auftaucht.

Viel mehr möchte ich nicht verraten, aber gerne ein paar Gründe nennen, warum „Stranger Things“ so ein rasanter Start gelungen ist:

  1. Winona Ryder: Sie ist das emotionale Zentrum und die Triebfeder der Geschichte. Jeder, den sie an den Schultern packt und ihre Sorgen und ihre Hoffnung aus den großen Augen abfeuert, dem kommen Zweifel, ob die durchgeknallte Kettenraucherin vielleicht doch recht hat mir ihren irren Theorien. In den letzten Jahren hat man nicht allzu viel von ihr mitbekommen, die Serie könnte ihr wieder große Rollen einbringen.
  2. Der beste Kids-Cast seit „Stand By Me“ und „Die Goonies“: Und auch dieser Vergleich ist kein Zufall, sondern volle Absicht der Duffer Brothers, die „Stranger Things“ aus ihrer Liebe für die Horror-Filme der 70er und 80er Jahre heraus entwickelt haben. Jeder der Kids für sich hat genug Präsenz, um den Bildschirm zu füllen, alle zusammen sind das reine, kreative Chaos, sie sprühen über vor Ideen, Kampfgeist und Humor.
  3. Der Plot: Trotz der vielen Anspielungen auf andere ikonische Filme, „Stranger Things“ ist etwas Eigenes. Hätte Stephen King die Geschichte geschrieben, wäre das seine beste Adaption. Schön auch, dass manche Folgen ihre Cliffhanger nicht am Ende haben, sondern gleich nach den ersten Minuten, bevor die Titelmusik einsetzt.
  4. Die Musik: Ganz viel daran erinnert an die Filmmusik von John Carpenter, dazu eine Prise Commodore64-Ästhetik sowie Musik aus der Zeit von The Clash, Joy Division, Echo and the Bunnymen, Peter Gabriel, uvm. Es gibt bisher noch kein offizielles Soundtrack-Album, das ikonische Theme und die Instrumentalmusik kommen von S U R V I V E.
  5. Classic Horror is back! Ganz schnell wird klar: „Stranger Things“ ist kein Psycho-Thriller, kein unappetitliches Gemetzel, aber auch kein romantisches Mystery-Drama, sondern arbeitet mit verspieltem übernatürlichem Horror und einem ordentlichen Monster. So etwas kommt mir heute manchmal etwas zu kurz. Aber mit Serien wie dieser und mit Outcast und The Strain wird es langsam wieder interessant.

Angeblich ist die zweite Staffel bereits bestellt. Der junge Cast erlaubt keine langen Wartezeiten, wenn die Handlung gleich an die erste Staffel anknüpfen soll. Andererseits, es wäre schade, wenn man jetzt anfängt zu schlampen. „Stranger Things“ ist auf vielen unterschiedlichen Ebenen so extrem gut durchdacht, dass man nach den acht Stunden Binge-Watching nicht weiß, was man sich danach noch anschauen soll. The Duffer Brothers haben damit ein ziemliche Marke gesetzt.

Wer wissen möchte, ob es sich lohnt, dafür ein Netflix-Abo zu starten, hier gibt es einen Teaser in die ersten acht Minuten der ersten Folge.

 

Ausgelesen: „End of Watch“ von Stephen King

Diesen dritten Teil der sogenannten „Bill-Hodges-Trilogy“ habe ich vorab bestellt und pünktlich zum Erscheinungstermin geliefert bekommen. Es gibt einige Autoren, bei denen eine Art Abo für mich durchaus Sinn machen würde. Einen neuen Roman von Juli Zeh, Jonathan Franzen, Heinz Strunk oder eben Stephen King, den muss ich nicht in der Buchhandlung durchblättern, den Klappentext lesen und überlegen, ob ich ihn kaufen möchte. Nein, liebe Verlage, Bücher von diesen Leuten könnt ihr mir ungefragt am Erscheinungstermin direkt nach Hause liefern. Gar nicht mal als Rezensionsexemplar, ich zahle auch gerne. Leider bietet bisher noch niemand so ein Autoren-Abo an, schade. Wie gesagt, ich wäre dabei.

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Buch-Review: „Finderlohn“ von Stephen King

Finderlohn (Bill Hodges Trilogy, #2)Finderlohn by Stephen King

My rating: 3 von 5 stars

Im Rahmen meiner Reading Challenge habe ich in diesem Jahr ganze sieben Bücher von Stephen King gelesen. Auch weil ich ihn vor über zwanzig Jahren aus den Augen verloren habe. „Finderlohn“ war darunter nicht das beste, aber sehr kurzweilig zu lesen, andere würden es „spannend“ nennen. Aber das trifft es für mich nicht ganz. So richtig überraschen konnte mich King hier nicht.

Die Story nimmt schnell ordentlich an Fahrt auf, so dass es schon aus physikalischen Gründen fast unmöglich ist, auszusteigen. Das sind die Sachen, die King einfach drauf hat. Dazu treten in seinen Geschichten immer Typen auf, bei deren Untergang man einfach von Anfang bis Ende Zeuge sein möchte.

Etwas fad an „Finderlohn“ genau wie bereits bei „Mr. Mercedes“ ist das Ermittlerteam. Jedes Wort, das King ihnen in den Mund legt, hört sich an wie aus einer Vorabendserie aus den 80ern. Irgendwann hatte ich sogar eine Synchronstimme aus den Drei-Fragezeichen-Hörspielen im Kopf. Das entsprach nicht ganz dem was ich erwartete hatte, aber unangenehm war es nicht.

Am Ende von „Finderlohn“ kriegt King noch rechtzeitig die Ausfahrt in Richtung Horrorland. Dort wird dann hoffentlich der letzte Teil der Bill Hodges-Trilogie spielen.

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Meine Reviews auf Goodreads

10 Dinge, die man von Stephen King übers Schreiben lernen kann

Schreibratgeber gibt es so viele wie erfolglose Autoren. Stephen King gehört nicht nur zu den meistgelesenen Schriftstellern der Gegenwart, er hat auch einen der besten Schreibratgeber verfasst: “On Writing: A Memoir of the Craft” (auf deutsch: “Das Leben und das Schreiben”) teilt sich in einen autobiographischen ersten Teil, der kein großes Aufhebens um eine recht durchschnittliche Kindheit macht, aber trotzdem sehr amüsant zu lesen ist, und in den zweiten Teil, in dem King seinen Werkzeugkasten öffnet, in dem man das findet, was man von einem Autor erwartet: Wörter und Geschichten, sorgfältig aufgereiht und gut sortiert.

Hier die 10 Tipps für angehende Autoren, die ich als am wertvollsten erachte und die man nicht unbedingt aus anderen Schreibratgebern kennt.

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Der irre Hausmeister

Oder: Warum ich hier nichts über Stephen Kings “Revival” verrate …

Manchmal ist das Internet eben nur der nervige Kollege, der bereits die vier geleakten Game of Thrones-Folgen gesehen hat und mit der Tasse Kaffee in der Hand beim morgendlichen Plausch vielsagende Andeutungen macht, weil er weiß, wer aus dem Cast als nächstes den Kopf verlieren wird. Natürlich hat der Kollege Spoilerverbot, aber begegnest Du ihm auf dem Flur, müsste er Dir nur einen Namen im Vorbeigehen zuflüstern und der Serienspass wäre für Dich erst einmal gelaufen.

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