Fantasy Film Fest: „Vidar the Vampire“

Vidar möchte Mädchen kennenlernen. In der Norwegischen Provinz gehört das schon immer zu den großen Herausforderungen, mit der ein Junge zu kämpfen hat. Vidar ist aber schon 33 und so langsam hat er den Kanal voll vom Schweine und Hühner füttern und Schafscheiße zusammenkehren. Und das jeden Morgen wenn der Hahn kräht. Vidar möchte einmal ausschlafen und – noch wichtiger – endlich Mädchen im Alter von „20 plus“ kennenlernen.

In seinem kleinen Dachzimmer liegt immer die aktuellste Playboy-Ausgabe griffbereit, die er liebevoll durchblättert wie seine Mutter im Zimmer nebenan die Bibel. Aber das reicht ihm irgendwann nicht mehr. Als von der strenggläubigen Gemeinde wohlerzogener Christ weiß er, an wen er sich wenden kann. Er ruft die heilige Dreifaltigkeit an und die zeigt ein Herz. Nur kommt es alles ganz anders als es sich Vidar vorgestellt hat.  

Wenn ein Film das Prädikat “Indie” tragen darf, dann ganz sicher „Vampyr Vidar“, Regisseur und Hauptdarsteller Thomas Aske Berg hat den Film zusammen mit seinem treuen und leidenschaftlichen Team über sieben Jahre hinweg mit nur insgesamt 50.000 Dollar Budget realisiert. Auf dem diesjährigen Fantasy Film Fest als internationale Premiere gezeigt, ist „Vidar the Vampire“ mindestens ein Geheimtipp und bestimmt sogar der Gewinner der Publikumsherzen.

Die Wackelkamera ist in diesem knapp 90-minütigen Streifen genauso charakteristisch wie die nordische Dunkelheit und die tiefen Schatten in den Gesichtern. Vidar taumelt im blauen Winteroverall oder splitternackt über verlassene Tankstellen, durch pulsierende Clubs im Stavanger Nachtleben, stürzt ein Treppenhaus hinunter und kriegt den Mund nicht mehr zu vor Staunen, wie wehrhaft und stark die Weiblichkeit ihm entgegentritt. Er nimmt das alles hin und noch viel mehr. Eine Frau neben sich zu haben, das ist sein natürlicher Zustand, nach dem er mit allem strebt, was in ihm noch lebendig ist. Ist es das, was einen echten Vampir ausmacht?

Seit „Die Herren Dracula“ (1976) habe ich keinen so verschrobenen Vampirfilm mehr gesehen. Dabei schafft Berg es, die Zuschauer vor respektloser Blasphemie und schwarzem Humor nicht zu verschonen und gleichzeitig große Sympathien für Vidar aufzubauen. Gefühl und Melancholie werden im Film an den wichtigen Stellen getragen von knarzenden und wackelnden Akustiksongs, die ebenfalls unter die Haut gehen und wie der Film selbst lange nachklingen. 

Weitere Reviews zum Fantasy Film Fest 2017 (folgen):

  • Double Date
  • It Comes At Night
  • It
  • The Autopsy of Jane Doe
  • Super Dark Times
  • Blade Of The Immortal

und noch ein paar mehr …