Fantasy Film Fest: „Double Date“

London ist eine Stadt, in der man als junger Mensch zwischen 20 und 30 leben möchte, Brexit hin oder her. Hier kommt jeder auf seine Kosten. Außer vielleicht man ist wie Jim, der vor seinem dreißigsten Geburtstag immer noch Jungfrau ist. Selbst auf spezialisierten Dating-Portalen ist er unvermittelbar. Sein größtes Problem: Er bekommt Panikattacken, wenn er Frauen anspricht. Sein bester Freund Alex (Michael Socha) scheut weder Tricks noch peinliche Situationen, um ihn zu verkuppeln. Es scheint aussichtslos, bis sie auf die beiden Schwestern Kitty und Lulu treffen. Die sind auf der Jagd nach einem ganz bestimmten Männertyp. Und Jim passt perfekt in ihr Beuteschema.

Es beginnt ein wilder Ritt durch die Londoner Clubs, immer begleitet von hypnotischer elektronischer Musik mit Bässen, die tief in die Magengrube gehen, oder dreckigen Gitarrenriffs zum durchgedrückten Gaspedal. Dazwischen schwebt als friedliche Dreh- und Angelszene auf einmal eine Familienidylle in einer beschaulichen Reihenhaussiedlung, wo Jims Eltern und seine Schwester mit selbstgebackener Torte und T-Shirts mit Jims aufgedruckten Kindergesicht auf das Geburtstagskind warten. Lulu (Georgia Groome), die ihre Kindheit in einem englischen Herrenhaus verbrachte und statt zur Schule zu gehen, Privatstunden von ihrem Daddy bekam, genießt die gemütliche Wärme zwischen den engen Reihenhauswänden und versteht, dass alles, was sie und ihre Schwester mit roher Gewalt erreichen wollen, nur ein lausiges Abbild von dem sein kann, was Jim von seiner (leicht durchgeknallten) Familie mitbekommen hat. Doch den Rhythmus der Nacht gibt die männerkillende Kitty (Kelly Wenham) vor, die sich von ihrem kranken Plan nicht abbringen lässt.

„Der Film sollte wie Punkrocksong sein, kurz und laut und auf den Punkt. Beim Bearbeiten haben wir jedes Gramm Fett weggeschnitten und jede Szene rausgeworfen, die den Fluß irgendwie gebremst hat“, verriet Hauptdarsteller und Drehbuchautor Danny Morgan im Q&A nach dem Screening von „Double Date“ auf dem Fantasy Film Festival in München. Sein Partner in Crime Benjamin Barfoot hat mit diesem Regiedebüt gleich ein starkes Statement abgegeben, das seiner Karriere einen ordentlichen Boost verpassen könnte.

Artist talk with #benjaminbarfoot and #dannymorgan after #doubledate @fantasyfilmfest

Ein Beitrag geteilt von Bernhard Lermann (@lermann) am

Horror und Komödie sind Genres, die sich von ihren Machern beliebig dehnen lassen. Dabei kann eine Menge schief gehen. Gerade die Britische Horrorkomödie war in den letzten Jahren vor Ausfällen nicht immer gefeit. Doch hier stimmt alles. Musik und Artwork im Vorspann legen mit ihrem Tarantino-Style die Latte gleich recht hoch. Morgan und Barefoot halten das Niveau und treiben es bis auf einen extrem gut getimten Horror-Comedy-Bastard-Showdown zu. Jede Szene in “Double Date”, die auf ein Klischee zusteuert, bekommt sofort einen respektlosen Tritt verpasst.

Bisher existiert nur ein Starttermin für Großbritannien (13. Oktober 2017), deshalb könnte das Fantasy Film Fest für das deutsche Publikum die vorerst einzige Möglichkeit sein, sich “Double Date” anzuschauen.

Weitere Screenings:
HAMBURG – 10 Sep / 20.00 Uhr
BERLIN – 23 Sep / 22.45 Uhr
FRANKFURT – 23 Sep / 22.45 Uhr
KÖLN – 24 Sep / 20.30 Uhr
NÜRNBERG – 27 Sep / 22.45 Uhr

Weitere Reviews zum Fantasy Film Fest 2017 (folgen):

  • Vidar the Vampire
  • It
  • The Autopsy of Jane Doe
  • Super Dark Times
  • Blade Of The Immortal
  • It Comes At Night

und noch ein paar mehr …